"Wir wurzeln alle im Alltage.
Seine Gewohnheiten machen für die
meisten schlechthin das Leben aus.
In diesem Alltag, den bloss der unbesonnene
Élegant des Geistes bespöttelt, liegt etwas
sehr Grosses ... liegt unsere Cultur."
Michael Haberlandt: Cultur im Alltag. Wien 1900.



Sonntag, 31. August 2014

FOTOSACHE NR. 37: Vienna Windows - Auslage in Arbeit



1160 Vienna, Neulerchenfelder Strasse 49. Photo: Martin Frey.

1160 Vienna, Neulerchenfelder Strasse 49. closed shop.
Photo: Martin Frey – www.facebook.com/martinfrey.vienna


1160 Vienna, Neulerchenfelder Strasse 49. Photo: Martin Frey.

1160 Vienna, Neulerchenfelder Strasse 49. closed shop.
Photo: Martin Frey – www.facebook.com/martinfrey.vienna



Martin Frey und Hanna Schimek fotografieren Wiener Geschäftsauslagen - zu sehen sind die Fotos unter dem Titel "Vienna Windows - Auslage in Arbeit" auf Tumblr.

Dem selben Thema widmet sich Martin Frey auch gemeinsam mit Philipp Graf - siehe dazu ihre Website Geschäfte mit Geschichte. Waren aller Art in Wien.  



1060 vienna stumpergasse 11

1060 Vienna Stumpergasse 11. Photo: Hanna Schimek. closed shop


1060 vienna stumpergasse 11

1060 Vienna Stumpergasse 11. Photo: Hanna Schimek. closed shop



Freitag, 29. August 2014

FOTOSACHE NR. 36: Stadionbad



    Archiv Susanne Breuss



Morgen geht es in meiner Fotoglosse im Extra der Wiener Zeitung um das in der Zwischenkriegszeit erbaute Stadionbad im Wiener Prater.

...der Beitrag ist nun nicht wie geplant heute erschienen, sondern - von mir unbemerkt - bereits vergangenen Samstag...!



Samstag, 9. August 2014

ANSICHTSSACHE NR. 64: Sticken für den Kaiser



Foto: Christa Knott © ÖMV



Im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien ist noch bis zum 2. November 2014 die Ausstellung "Arbeiten ruthenischer Flüchtlinge im Ersten Weltkrieg. Stick- und Knüpfmusterstücke" (nähere Infos hier) zu sehen. 
Die Kuratorin Kathrin Pallestrang erläutert für diesen Blog, ausgehend von einem der Exponate, die historischen und politischen Hintergründe dieser Textilarbeiten:

Sticken für den Kaiser

Kartonplatte, darauf aufgeklebt drei Stickmuster (Baumwollgarn auf Mischgewebe in Flach- und Kreuzstich) mit den Inventarnummern ÖMV/38639, ÖMV/38640 und ÖMV/38641, Aufschrift auf dem Karton: „Bezirk Towmatsch“.
 


Alltag in einem Flüchtlingslager: Handarbeitskurse sowie Näh- und Stickunterricht in der Lagerschule gehörten zur Zeit des Ersten Weltkriegs zum täglichen Programm für die Frauen und Mädchen des Lagers Gmünd im Waldviertel. Hier war innerhalb kürzester Zeit eines der größten Lager für die Kriegsflüchtlinge der Habsburgermonarchie errichtet worden. Rund 30.000 Ruthenen aus den Grenzgebieten der Monarchie zum russischen Zarenreich lebten hier von 1914 bis 1918 in mangelhaft ausgerüsteten Holzbaracken und litten unter der schlechten Versorgung mit Kleidung und Nahrung. Ein großer Teil von ihnen liegt am Lagerfriedhof begraben. Bereits vor Beginn der Kampfhandlungen waren 1914 tausende Menschen im Grenzgebiet des Kronlandes Galizien zum Zarenreich vom k.u.k. Militär evakuiert, vertrieben oder ausgewiesen worden. Ein häufiger Grund war Spionageverdacht. Die dort ansässigen ruthenischen Untertanen wurden generell verdächtigt, mit dem slawischsprachigen Feind zu kooperieren. Von der Habsburgischen Verwaltung wurden alle, die eine ostslawische Sprache oder einen ostslawischen Dialekt verwendeten, als „Ruthenen“ bezeichnet. Diese lebten vorwiegend in Galizien, der Bukowina und Nordungarn (Karpatoukraine), also in Gebieten, die vom Krieg besonders rasch und heftig getroffen wurden. Die Behörden Österreich-Ungarns waren auf die Flüchtlingsströme nicht vorbereitet. 1915 eröffnete das k.k. Innenministerium daher in Wien eine Ausstellung, die anhand von Fotos und gefälschten Statistiken das Gegenteil beweisen sollte. Ein großer Bereich der Schau widmete sich den in den Lagerwerkstätten erzeugten hausindustriellen Produkten wie Strohschuhen, Puppen, Karren oder Textilien wie die vorliegenden Handarbeitsmuster, die für die Ausstellung auf Kartons aufgeklebt wurden. In der Präsentation dieser Produkte wurde die Nationalität der Hersteller und Herstellerinnen hervorgehoben. Vorgeblich dienten die Arbeiten im Sinne der Gewerbeförderung dem Erhalt von traditionellen Mustern und Herstellungstechniken, worin sich die Ausstellung nicht von den großen und kleineren Präsentationen von Volkskunst und Hausindustrie unterschied, wie sie im 19. und frühen 20. Jahrhundert populär waren, so etwa im Rahmen der Weltausstellungen. In der Presse wurde diese Produktschau hochgelobt und als Möglichkeit gesehen, den nationalen Formenschatz der „heimatlosen Kinder des Vaterlands“ zu erhalten und für ihre Rückkehr zu konservieren. Die Arbeit in den Lagerwerkstätten fand allerdings nicht freiwillig statt, sondern war Zwangsarbeit. Ein großer Teil der erzeugten Güter waren außerdem kriegswichtige Produkte, wie die Strohschuhe, die den Soldaten an die Front geliefert wurden. Die Presse hob gerade diese Verbindung des Nützlichen mit dem Pittoresken der Volkskunst positiv hervor. Die Reduktion der Lebensrealität der Flüchtlinge auf die entzückenden Dinge, die sie produzierten, entwarf jedoch eine Scheinwelt, die harmlos und niedlich wirkte. Wie in den früheren Ausstellungen von Hausindustrie auch sollten auf diese Weise die Völker der Monarchie einander näher gebracht und Unterschiede eingeebnet werden. In Wirklichkeit trug dies jedoch zur Typisierung bei und verstärkte Unterschiede nachhaltig.

Die Beschäftigung mit den wunderschönen, großteils sehr fein gearbeiteten Stickereien zeigt wieder einmal, dass die sogenannte Volkskultur bzw. die Volkskunst nie losgelöst von gesellschaftlichen Bedingungen betrachtet werden können. Sie sind nie einfach nur ästhetisch ansprechend oder schön, sondern immer hochpolitisch.


Literatur:

Kathrin Pallestrang (Hg.): Stick- und Knüpfmuster ruthenischer Flüchtlinge im Ersten Weltkrieg. Aus der Sammlung des Volkskundemuseums Wien. Katalog zur Ausstellung „Arbeiten ruthenischer Flüchtlinge im Ersten Weltkrieg: Stick-und Knüpfmusterstücke“ im Österreichischen Museum für Volkskunde 30. April bis 2. November 2014 (= Objekte im Fokus, Band 4). Wien 2014. ISBN 978-3-902381-50-7



Samstag, 2. August 2014

FOTOSACHE NR. 35: Urlaub in Wort und Bild






Heute geht es in meiner Fotoglosse im Extra der Wiener Zeitung um dieses von Josef Perneger aufgenommene Foto - er gewann damit ein Preisausschreiben zum Thema "Urlaub in Wort und Bild", das die vom Österreichischen Gewerkschaftsbund herausgegebene Zeitschrift Solidarität 1956 ausgerufen hatte.

 

Donnerstag, 24. Juli 2014

ANSICHTSSACHE NR. 63: Gestickte Moral


Noch bis 8. Februar 2015 im Frauenmuseum Hittisau in Vorarlberg zu sehen: eine Ausstellung zum Thema "Gestickte Moral. Spruchtücher zwischen Tradition, Rollenzuschreibung und Illusion".

Ankündigungstext:

Eine Ausstellung mit einer künstlerischen Intervention von Beate Luger-Goyer und Werken von Flurina Badel, Kathrin Haller, Renate Hinterkörner, A.M. Jehle, Christine Lederer, Christine Pavlic, Carmen Pfanner, Maria Stockner und Zsófi Pittmann.

„Eine besondere Krankheit des guten Geschmacks ist die Manie, alles mit Sprüchen zu verzieren!", klagte eine Hausfrauenzeitschrift im Jahr 1905. Gestickte Wünsche, Lebensweisheiten, Handlungsmaximen und Sinnsprüche waren in fast jedem Haushalt zu finden. In Küche und Stube, Schlafzimmer und Wäschekammer gaben sieden BewohnerInnen sinnige, religiöse, moralisch belehrende aber auch ironisch-subversive Weisheiten mit auf den Weg. Ihre Blütezeit erlebten gestickte Spruchtücher zwischen 1870 und 1930. In den Küchen vieler Haushalte waren sie aber noch bis in die 1950er Jahre hinein zu finden. Nach den Weltausstellungen der Gründerzeit vom Bürgertum in Mode gebracht, hielten sinnreich bestickte Textilien bald auch in bäuerlichen, kleinbürgerlichen und proletarischen Haushalten Einzug.
Für die Ausstellung hat das Frauenmuseum Hittisau hunderte Spruchtücher gesammelt - darunter auch von Migrantinnen mitgebrachte Tücher in kroatischer, italienischer, tschechischer oder ungarischer Sprache.
Die (doppel-)moralischen Appelle und Ermahnungen zu Fleiß, Frömmigkeit und Sparsamkeit sind aufschlussreiche kultur- und frauenhistorische Dokumente und erzählen von Rollenfestschreibungen, Wertvorstellungen, Disziplinierungsstrategien und menschlichen Beziehungen als Wunschbild, Realität oder Bürde.

Rollenfestschreibungen und Illusion

Spruchtücher spiegeln in ihren Gestaltungselementen die Strömungen des Zeitgeschmacks wider. In ihrer Funktion sollen sie schonen, verdecken, schmücken, ordnen. In ihrer Aussage sind gestickte Spruchtücher Belege für das Frauenbild ihrer Entstehungszeit. Sie geben Einblick in die Lebensrealität der meisten Frauen, deren Fokus ausschließlich auf Küche, Haushalt und Familie liegen durfte. Die häufig im Imperativ abgefassten Leitsätze wenden sich so gut wie ausschließlich an eine Frau in ihrer Rolle als Ehefrau, Mutter und Hausfrau.
Die Botschaften sind vielfältig. Sie reichen von Aufforderung, die eigene Mutter zu ehren („Was Mütterlein mir einst beschert, Halt' ich in diesem Schranke wert, Soll glatt und fein geordnet sein, Wie's einstens hielt mein Mütterlein.“) bis zu mahnenden Imperativen über die Pflichten als Hausfrau („Merk es Köchin Dir genau, Hälst Ordnung Du ist gut die Frau.“), von der herzzerreißenden Dokumentation einer kriegsbedingten Trennung („Abschied des Reservisten“) bis zum Aufruf zur Selbstaufgabe („Bist du Amboß, sei geduldig, Bist du Hammer, schlage zu.“).
Viele Spruchtücher haben einen augenzwinkernd-subversiven Unterton („So sanft wie ein Lämmlein wünsche ich mir mein Männlein“ oder „Ohne Glück und Gunst ist Kunst umsunst!“, andere – wenn auch seltener zu finden – sind Ausdruck politischer Überzeugungen, wenn sie etwa Engelbert Dollfuß mit dem Kruckenkreuz oder Kronprinz Rudolf abbilden.


Nähere Infos hier.


Dienstag, 22. Juli 2014

TERMINSACHE NR. 69: CFP: Alter(n) in Beziehungen



Wie manifestiert sich Alter(n) in den Dingen? Das ist eine der Fragen, denen die für Februar 2015 am Hamburger Institut für Volkskunde / Kulturanthropolgie geplante Tagung zum Thema "Alter(n) in Beziehungen - Ordnungen, Praktiken, Materialitäten" nachgeht. 
Nähere Infos + CFP auf hsozkult.


 

Dienstag, 15. Juli 2014

FORSCHUNGSSACHE NR. 12: Dominanz durch Dinge?


 
Vom 27. Februar bis 1. März 2014 fand in den Tagungsräumen der Berliner WeiberWirtschaft eine Konferenz zum Thema "Dominanz durch Dinge? Zum Verhältnis von sozialen Asymmetrien und Materialitäten aus historischer Perspektive (XXXII. Tagung des Arbeitskreises Geschichte+Theorie)" statt - nun gibt es auf hsozkult einen Tagungsbericht von Florian Schleking dazu.


Donnerstag, 10. Juli 2014

JOBSACHE NR. 3: Kleidungs- und Wäschegeschichte



Job: Doktorand/in und 0,4 Wiss. Mitarb. "Kleidungs- und
Wäschegeschichte" (Univ. Basel)

Universität Basel, Basel, 01.09.2014-31.08.2017
Bewerbungsschluss: 05.08.2014

Das Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der
Universität Basel und das Institut Experimentelle Design- und
Medienkulturen der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW

suchen per 1. September 2014 oder nach Vereinbarung für ein
Forschungsprojekt zur Kultur- und Designwissenschaft der Kleidung

Einen Doktoranden/eine Doktorandin
Eine/n wissenschaftliche/n Mitarbeiter/in (40%)

Die Sammlung der Firma HANRO bietet mit rund 20'000 Musterstücken,
Entwurfszeichnungen, Stoffproben, Katalogen, Werbematerial und dem
Verwaltungsarchiv Einblick in mehr als hundert Jahre Kleidungs- und
Wäschegeschichte. In einem interdisziplinären Projekt der beiden
Institute und des Amtes für Kultur, Archäologie und Museum Baselland
sollen Entwurf und Produktion, Werbung und Image, Konsum und Gebrauch
von Kleidung in einer kultur- und designhistorischen und -theoretischen
Perspektive aufgearbeitet werden.

Doktorandin/ Doktorand
Das Teilprojekt "Kreativität nach Mass: Textiles Entwerfen unter
industriellen Bedingungen" behandelt aus design- und
entwurfstheoretischer Perspektive Entwurfsprozesse in der
Textilproduktion. Diese, aber auch begleitende technische, ästhetische
und soziale Praktiken und Diskurse, Arbeitsprozesse, Aufgaben- und
Rollenverteilungen, professionelle Herkunft und gestalterischen
Selbstverständnisse sollen rekonstruiert werden.

Ihr Profil:
-Studium der Design- oder Kulturwissenschaft oder eines benachbarten
Faches mit Fokus Designtheorie und -geschichte
-Ausgezeichneter Studienabschluss (Liz./MA)
-Exzellente Analyse- und Schreibfähigkeiten
-Konzeptionelles Denken, Selbständigkeit, Flexibilität
-Team- und projektorientiertes Arbeiten
-Organisations- und Kommunikationstalent

wissenschaftliche Mitarbeiterin/wissenschaftlicher Mitarbeiter (40%)
Das Teilprojekt "Hanro of Switzerland: Bild und Bildung einer Marke"
untersucht den Prozess der Markenbildung und -entwicklung. Im Zentrum
stehen bildliche, schriftliche und materielle Repräsentationen der
Marke. Was wird zu welcher Zeit als "Hanro" gedacht und entwickelt,
produziert und vermarktet? Welche Materialien, Qualitäten,
Verarbeitungsformen stellen die Bedeutung "Swissness" symbolisch her?
Zudem wird nach den Körper-Bildern gefragt, welche die Marke als Ideal
kommuniziert. Welche Körper schafft Hanro-Kleidung zu welcher Zeit?

Ihr Profil:
-Studium der Kulturanthropologie/Europäischen Ethnologie oder eines
benachbarten Faches
-Ausgezeichneter Studienabschluss (Liz./MA oder Diss.)
-Ausgewiesene Kenntnisse in der Bild-, Werbe-, und Markenforschung und
der entsprechenden Methodik
-Exzellente Analyse- und Schreibfähigkeiten
-Konzeptionelles Denken, Selbständigkeit, Flexibilität
-Team- und projektorientiertes Arbeiten
-Organisations- und Kommunikationstalent

Die promovierende Person wird gemeinsam von Claudia Mareis und Walter
Leimgruber betreut.
Die Stellen sind auf 3 Jahre befristet.
Entlöhnung nach Ansätzen SNF/Uni Basel

Senden Sie Ihre Bewerbung mit den üblichen Unterlagen elektronisch bis
zum 5. August 2014 an kulturwissenschaft@unibas.ch. Für Fragen stehen
Ihnen Prof. Dr. Walter Leimgruber (walter.leimgruber@unibas.ch) oder
Prof. Dr. Claudia Mareis (claudia.mareis@fhnw.ch) zur Verfügung.


Nähere Infos hier.

Quelle: hsozkult


Samstag, 5. Juli 2014

FOTOSACHE NR. 34: Weltausstellung und Grand Hotel



© Archiv Susanne Breuss


Heute in meiner Fotoglosse im Extra der Wiener Zeitung: ein Beitrag über die Entstehungsgeschichte des Wiener Grand Hotels und die neue Hotellerie, die sich im Vorfeld der Weltausstellung von 1873 entwickelte.

Susanne Breuss: Das Novum Grandhotel (= Fotoglosse schwarz & weiß). In: Wiener Zeitung Extra, 5./6. Juli 2014, S. 43.


Donnerstag, 3. Juli 2014

TERMINSACHE NR. 68: Metamorphosen der Dinge



Tagung der Volkskundlichen Kommission für Westfalen, LWL, in Zusammenarbeit mit dem LWL-Textilmuseum Bocholt:

"Metamorphosen der Dinge. Sammeln - Zeigen- Forschen".

Beginn: Freitag, 24.10.2014, um 14:00 Uhr
Ende: Samstag, 25.10.2014, ca. 14:00 Uhr
Anmeldeschluss: 14.10.2014
Veranstalter: Volkskundlichen Kommission für Westfalen, LWL, und LWL-Textilmuseum Bocholt
Veranstaltungsort: LWL- Textilmuseum Bocholt, Uhlandstraße 50, 46397 Bocholt

Ankündigung:
Das Museum gilt gemeinhin als Ort des Bewahrens einer materiellen Hinterlassenschaft. Objekte, die der Institution einmal übergeben worden sind, bewahrt diese für lange Zeit, scheinbar geschützt vor Veränderung. Mag dies auch aus konservatorischer Sicht zutreffen, sind es doch gerade Museen, die den Dingen auf unterschiedliche Weise Metamorphosen abverlangen, ganz gleich, ob es sich dabei um repräsentative oder patrimoniale Objekt handelt. In der Diskussion ist daher nicht mehr nur der "Schatten der Dinge", sondern die besondere Verantwortung der Institution und der ihr zugeordneten Wissenschaft vor der schon von Goethe zum theoretischen Prinzip erhobenen ewigen Umwandlung. Die Transformation der alltäglichen Dinge in Museumsobjekte und der sich daraus ableitende Umgang mit ihnen erhält im Fokus einer Gesellschaft, die zunehmend von der "Herrschaft des Virtuellen" (Martin Scharfe) geprägt ist, eine besondere Virulenz. Denn das Museum wird im Zusammenklang mit anderen Vermarktern der Ware 'Geschichte' zum 'Gedächtnismacher', zum Anteilsgeber von Erinnerung. Es muss sich daher fragen lassen, inwieweit es im Sinne von Reinhart Koselleck durch Homogenisierung, Vereinfachung, Verschlichtung, Mediatisierung und schließlich durch den ihm eigenen Zwang zur Kollektivierung an Ideologie oder Mythos arbeitet, oder ob es die Dinge immer wieder neu "durch die Düse der historischen Kritik" befragt und einer differenzierten Erinnerungskultur zur Verfügung stellt. In jedem Fall spielt hier nicht nur das einzelne Objekt, sondern seine Existenz in einer Konstellation und im Raum mit anderen eine zentrale Rolle. Das Museum war jedoch nie allein der Hort der Schätze und der Dinge. Sammlungen, seien sie nun privat oder institutionell, gewinnen in einer Gesellschaft an Bedeutung, deren Tendenz zur Immaterialisierung nicht mehr zu leugnen ist. Sei es, dass sie ihre Relikte für Neues zur Verfügung stellen oder nur als Grabkammer (Friedhof der Dinge) funktionieren. In diesem Spannungsfeld von Erinnerungskulturen muss über die Dinge und die ihnen innewohnende Fähigkeit zur Veränderung ebenso nachgedacht werden wie über den Anspruch von 'Museum' als Institution zur Schaffung von Bedeutung, Perspektive und Relevanz.


Programm:

Freitag, den 24. Oktober 2014

14:00 Uhr: Eröffnung

Grußwort Prof. Dr. Ruth-E. Mohrmann (Münster)

14:15 Uhr: 2 Führungen durch das Textilmuseum

16:00 - 16:45 Uhr: Claudia Gottfried M.A. (Ratingen): Vieldimensionale Bezüge. Neue Zugänge zur textilen Sammlung des LVR-Industriemuseums

16:45 - 17:30 Uhr: Prof. Dr. Dorothee Haffner (Berlin) und Katharina Hornscheidt M.A.(Berlin): Stoffmuster im Fokus - Renaissance und Rezeption

Moderation: Prof. Dr. Elisabeth Timm (Münster)

20:00 - 21:30 Uhr: Öffentlicher Abendvortrag
Begrüßung: Dr. Hermann-Josef Stenkamp (Bocholt)
Prof. Dr. Gudrun M. König (Dortmund): Metamorphosen der Dinge. Anmerkungen zu Begriff und Sache
Moderation: Prof. Dr. Ruth-E. Mohrmann


Samstag, den 25. Oktober 2014

10:00 - 10:45 Uhr: Prof. Dr. Dr. Markus Walz (Leipzig): Metamorphopsie von Dingen. Fragmentierte Theorien des Sammelns und Dokumentierens als Unprobleme der Museumspraxis
10:45 - 11:30 Uhr: Dr. Silvia Glaser (Nürnberg): Das Bayerische Gewerbemuseum in Nürnberg. Funktionswandel einer Lehr- und Weiterbildungsanstalt des 19. Jahrhunderts

12:00 - 12:45 Uhr: Dr. Lioba Keller-Drescher (Tübingen): Sammlung als Verlaufsform

12:45 - 13:30 Uhr Silke Wawro Dipl. Des. a. M. A.(Dortmund): Volksware, 1-7. Künstlerische Interventionen in Produktstrategien

Moderation: Dr. Wolfgang Rumpf (Bremen)

Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben. Bei Rückfragen oder zur Anmeldung wenden Sie sich an: katharina.klapdor@lwl.org oder 0251/8324406.



Mittwoch, 2. Juli 2014

ANSICHTSSACHE NR. 62: Böse Dinge



Nur noch bis 6. Juli 2014 zu sehen: die Ausstellung "Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks" im Wiener Hofmobiliendepot (in Kooperation mit dem Werkbundarchiv - Museum der Dinge, Berlin).
Nähere Infos hier.

Wer "böse Dinge" besitzt und diese los werden will, kann das mit einem guten Zweck verbinden. Das Hofmobiliendepot sammelt unter dem Motto "Bring dein Ding" solche Dinge in einem eigenen Regal in der Ausstellung (mittlerweile wurde dafür auch ein zusätzlicher Tisch in der Eingangshalle aufgestellt - das Bedürfnis, "böse Dinge" los zu werden, scheint recht groß zu sein...) und verkauft sie am letzten Tag der Ausstellung zugunsten des neunerhauses.
Infos zu dieser Aktion hier und hier.


Montag, 30. Juni 2014

ANSICHTSSACHE NR. 61: Der Erste Weltkrieg in Briefen und Tagebüchern



Kriegsgefangenenkarte vom 29.11.1915 aus dem Lager 
Antipicha bei Tschita an Richard Weiskirchner. WBR, HS



In der Wienbibliothek im Rathaus ist noch bis 30. Jänner 2015 folgende Ausstellung zu sehen:
"'Es ist Frühling und ich lebe noch'. Eine Geschichte des Ersten Weltkriegs in Infinitiven. Von Aufzeichnen bis Zensieren".
Nähere Infos hier.
Einen Beitrag dazu gibt es auch in der Wiener Zeitung.



Samstag, 28. Juni 2014

DRUCKSACHE NR. 36: Kampf mit dem Kochlöffel






Heute in der Wiener Zeitung: Ein Schwerpunkt zum Ersten Weltkrieg, darunter ein Beitrag von mir im Extra zum Thema: "Kampf mit dem Kochlöffel. Als 'Soldaten des Hinterlandes' spielten Hausfrauen im Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle".
Zur Abbildung (eine Werbeanzeige aus dem Jahr 1918): die Kochkiste erlebte in den Kriegsjahren einen Popularisierungsschub, da sie Brennstoff bzw. Heizenergie ebenso sparen half wie Zeit - beides war Mangelware.

Susanne Breuss: Kampf mit dem Kochlöffel. Als "Soldaten des Hinterlandes" spielten Hausfrauen im Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle. In: Wiener Zeitung Extra, 28./29. Juni 2014, S. 36. 
Hier geht es zur Online-Version.



Freitag, 20. Juni 2014

DRUCKSACHE NR. 35: Digitalisierung der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde



Eine Information der Bibliothek des Österreichischen Museums für Volkskunde, Wien: 


Die Österreichische Zeitschrift für Volkskunde (ÖZV) erscheint seit 1895 (Unterbrechung 1944–1946). Seit 1946 als "Neue Serie" geführt und gezählt, war sie vierteljährlich erschienen. Seit 2012 wird die Zeitschrift in zwei Doppelheften mit rund 500 Seiten pro Jahr herausgegeben und seit 2011 praktiziert die Zeitschrift ein Peer-Review-Verfahren.
Die ÖZV hat nun, wie viele andere wissenschaftlichen Journale auch, ein Digitalisierungsprojekt durchgeführt. Seit kurzem gewährt das Online-Portal des Volkskundemuseums Wien einen Zugang zum Volltext all seiner seit Beginn erschienenen Jahrgänge. Die jeweils letzten beiden Jahrgänge der Zeitschrift sind auch weiterhin nur käuflich bzw. über ein Mitglieder-Abo zu erwerben.
Mit diesem Service will die Museums- bzw. Bibliotheksleitung seinen treuen Abonnentinnen und Abonnenten die Handhabung der Inhalte ihrer Zeitschrift erleichtern und auch neue Leserkreise für diese Publikation des Faches Europäische Ethnologie gewinnen.
Unter folgender URL sind die pdf-Dateien der einzelnen Jahrgänge abrufbar: http://www.volkskundemuseum.at/ozv_jahrgange
Die Inhalte sind mittels Volltextsuche erschließbar und stehen zum Download bzw. Druck zur Verfügung.

Kontakt:
Hermann Hummer
Österreichisches Museum für Volkskunde, Bibliothek
Laudongasse 15-19, 1080 Wien
http://www.volkskundemuseum.at
hermann.hummer@volkskundemuseum.at



Montag, 16. Juni 2014

TERMINSACHE NR. 67: Wear your nation - wear your utopia?! Clothing, fashion and beauty in historical perspective (CFP)



Tagung: Wear your nation - wear your utopia?! Clothing, fashion and beauty in historical perspective


Veranstalter: Dr. Anna Novikov (Deutsches Historisches Institut, Warsaw), Svenja Bethke (Institute for the History of the German Jews, Hamburg), Nathalie Keigel M.A. (University of Hamburg)
Datum, Ort: 12.01.2015-14.01.2015, Warsaw, German Historical Institute Warsaw, Al. Ujazdowskie 39, 00-540 Warsaw
Deadline: 01.08.2014

Concepts of dressing, fashion and beauty are particularly suitable as categories of analysis for research questions inspired by historical and cultural sciences. Crucial key concepts for These newer thematic research perspectives and related methodological approaches were provided especially by studies in fashion theory, which since the 1990’s have been influenced by the cultural studies as well as by art history, media and design studies (Craik 1994; Breward 1995; 1998; 1999; 2004; Steele 1988; 1997 et al.). As far back as “The Fashion System” (Barthes 1967), the notion of fashion in cultural sciences is increasingly classified as a “phenomenon of perception” (Lehnert 2012). This is accompanied by processes of cultural attribution, which largely depend on the particular actors in question and are subject to change over time. An additional field of research encompasses several social and economic practices related with fashion, e.g., the drafting of the design, advertising, distribution and consumption. Over the past years these questions have been adopted by historians. 

The connection of national or political self-understanding and physical appearance grew in importance by the time of the French Revolution. In certain historical and social constellations it constantly gained significance. This allows, inter alia, an explanation of the relatively high number of historical studies over the recent years, which consider the subject of fashion in the context of totalitarian and/or socialist systems.
Since everyone needs to dress, one can ask to which extent individuals and groups define themselves with regards to clothing, fashion and beauty ideals, or whether and how they disassociated themselves from these. In short, whether intended by the respective actors or not, (self-)identifications, categorizations, self-understandings and feelings of belonging can be clarified in this framework. Did people over the course of history also try to express national, religious or political belonging through their clothes? In these respects, manifestations of power relations can come into focus, whether in terms of the relations of (state) authorities and individuals or with regards to social stratification, individual and collective, generational differences or gender roles. 
A historical perspective and a focus on various geographical areas and communities permit to emphasize the constructed and dynamic nature of concepts of fashion and beauty. When was clothing classified as "fashion"; was this development linked to the emergence of a garment industry? When and how did fashion potentially act as a concept in strategies of modernization? What role did divide between rural and urban areas play?
In which contexts and social models did fashion have a negative connotation? Fashion was incompatible, for instance, with images of physical labour, especially in regions where, according to socialist utopias, new images of man, including their appearances, had to be formed. Communist parties sometimes viewed an emerging fashion culture critically. Also in Palestine, Zionists brought to the Kibbuzim a so called "Anti-Fashion", which was integrated into their ideals.
The communication of such ideals is directly linked to the question of visual representation and performance. What role did drawings and the emergence of photography play? What role did the rise of an entertainment industry, including magazines, play with regards to the distribution of clothes, fashion and beauty ideals? What transnational reference frameworks played a role in terms of aesthetic concepts in the spheres of fashion and clothing (for instance, "Paris fashion")? To what extent can processes of transfer and modification be observed, for instance in socialist countries, where Western models were adapted to one’s own needs?
In a three-day-workshop, with plenty of room for discussion, we would like to explore how ideals of clothing, fashion and beauty as categories of analysis allow for a new access to historical processes of negotiation in the context of nation-building processes and the implementation of social projects and utopias.
We aim for a broad geographical coverage with regard to the contributions. The chronological focus should be on the modern period. Both the actors, who determined and shaped the processes of negotiations on the question of the "fashionable", as well as the analysis of Areas of tension in economic, medial, political and social terms, that were behind the concrete expressions, should be brought into focus. The object of research should in principle be reflected and discussed as a historical category of analysis. Among other things, methodological and theoretical approaches (for instance of visual culture studies, of material culture, performativity, body history, etc.), whose applicability should be examined by using historical test case studies, are of interest.

The workshop will be held in English.
The committee invites researchers to submit abstracts for short presentations (in English), which are connected to the aforementioned topics. The inclusion of historical sources is considered a requirement.
Please send a 250 words abstract until 1 August 2014 per email to: fashionworkshop.dhi@gmail.com
Participants will be informed by 15 August 2014 about the results.
Costs for accommodation over the course of the workshop and travel expenses (to some extent) of invited speakers will be covered by the organizers.
Funded by the Deutsches Historisches Institut (DHI) Warsaw and the Institute for the History of German Jews (IGdJ), Hamburg
Kontakt:

Anna Novikov
German Historical Institute, Al. Ujazdowskie 39, 00-540 Warsaw
+48 22 525 8319
+48 22 525 8342
novikov@dhi.waw.pl

Quelle: hsozkult