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"Wir wurzeln alle im Alltage.
Seine Gewohnheiten machen für die
meisten schlechthin das Leben aus.
In diesem Alltag, den bloss der unbesonnene
Élegant des Geistes bespöttelt, liegt etwas
sehr Grosses ... liegt unsere Cultur."
Michael Haberlandt: Cultur im Alltag. Wien 1900.
Montag, 29. September 2014
TERMINSACHE NR. 72: Schrift in der Stadt
Am Freitag, 3. Oktober 2014, gibt es im Wien Museum im Rahmen der Vienna Design Week von 16 bis 22 Uhr eine Veranstaltung zum Thema "Schrift in der Stadt". Ich nehme daran als Kuratorin des Wien Museums teil und diskutiere mit Barbara Dechant vom Buchstabenmuseum Berlin und einem Vertreter des Vereins Stadtschrift in Wien über das Sammeln von Beschriftungen (Beginn der Diskussion: 16.50 Uhr).
Ankündigungstext:
Ohne Schrift keine Stadt: Unser urbanes Umfeld ist geprägt vom Stakkato der Geschäftsbeschriftungen, Hinweistafeln und Straßennamen, doch immer öfter verschwinden hochwertige Schriftzüge aus dem Stadtbild. Mit diesem Phänomen setzen sich SchriftgestalterInnen ebenso aus- einander wie StadtforscherInnen, KulturwissenschaftlerInnen und FotografInnen. Das Wien Museum selbst sammelt bedeutende, das Stadt- bild prägende Schriften. So befinden sich in seiner Sammlung die alten Beschriftungen des Südbahnhofs und des Stadtkinos.
An diesem Nachmittag und Abend geht es um Geschäftsportale und Neonschriften, Nostalgie und Retrokult, Identität und Gedächtnis, Sammeln und Verschrotten. In schnellem Ablauf – zum jederzeitigen Einsteigen – finden Impulsvorträge, kurze Projektpräsentationen, Buchvorstellungen und Diskussionen statt. Die Gäste kommen aus Deutschland, Polen und Österreich, Input von BesucherInnen erwünscht!
Wien Museum Karlsplatz
1040 Wien, Karlsplatz 8
Programm der Veranstaltung hier.
Freitag, 19. September 2014
FOTOSACHE NR. 38: Herrengassenhochhaus
Morgen geht es in meiner Fotoglosse im Extra der Wiener Zeitung um das 1932 von Bundespräsident Miklas eröffnete erste Wiener Hochhaus in der Herrengasse. Es war zwar nicht so hoch wie die "richtigen" amerikanischen Wolkenkratzer, dafür aber nach Wiener Geschmack gestaltet, wie die Kronenzeitung damals konstatierte.
Montag, 15. September 2014
TERMINSACHE NR. 71: Kulinarik und Kultur. Speisen als kulturelle Codes (Buchpräsentation)
Buchpräsentation:
Kulinarik und Kultur. Speisen als kulturelle Codes in Zentraleuropa
Dienstag, 16.09.2014, 18:00
Österreichisches Museum für Volkskunde
Gartenpalais Schönborn, Laudongasse 15-19, 1080 Wien
Ankündigungstext:
Wenn Menschen miteinander kommunizieren, spricht man von Kultur. Dazu zählen auch jene kommunikativen Praktiken, die auf die Absicherung des biologischen Überlebens gerichtet sind, nämlich die Zubereitung von Speisen.
Die kulturwissenschaftliche Beschäftigung mit Kulinarik vermag daher zur Erklärung kultureller Prozesse im Allgemeinen beizutragen. In Zentraleuropa, dessen Gesellschaften durch Heterogenitäten und Differenzen gekennzeichnet sind, durchbrechen Speisen staatliche, nationale und sprachliche Trennlinien und erfahren durch unterschiedliche Zubereitungen kontinuierliche Umdeutungen. Die interdisziplinären Beiträge dieses Bandes machen die kulturwissenschaftliche Relevanz dieses Themas deutlich.
Kulinarik und Kultur. Speisen als kulturelle Codes in Zentraleuropa, hrsg. von Moritz Csáky und Georg-Christian Lack; Wien, Köln, Weimar, Böhlau Verlag 2014, 196 S.
Ladenpreis: € 29,90
Begrüßung:
Mag. Matthias Beitl, Direktor des Österreichischen Museums für Volkskunde
Johannes van Ooyen, Böhlau-Verlag
Vorstellung des Buches:
emer. Univ.-Prof. Dr. Moritz Csáky, Österreichische Akademie der Wissenschaften
Mag.a Dr.in Julia Danielczyk MSc, Kulturabteilung der Stadt Wien
emer. Univ.-Prof. Dr. Konrad Köstlin, Universität Wien
Mag. Georg-Christian Lack, Direktor des Österreichischen Kulturforums Zagreb
Diskussion mit dem Publikum
Moderation: Mag. Matthias Beitl
Donnerstag, 11. September 2014
DRUCKSACHE NR. 37: Essen und Schlafen in Wien zur Zeit der Weltausstellung von 1873
Der Katalog zur Ausstellung "Experiment Metropole. 1873: Wien und die Weltausstellung" (Wien Museum Karlsplatz - sie ist noch bis 28. September 2014 zu sehen; nähere Infos hier) enthält u. a. einen Beitrag von mir:
Susanne Breuss: „Kost und Quartier“. Wiener Gastronomie und
Hotellerie zur Zeit der Weltausstellung, in: Wolfgang Kos / Ralph Gleis (Hg.):
Experiment Metropole. 1873: Wien und die Weltausstellung (Ausstellungskatalog
Wien Museum). Wien 2014. S. 158-165.
Obige Abbildung zeigt den chinesischen Teepavillon auf dem Weltausstellungsgelände im Prater. Wie viele andere gastronomische Einrichtungen versorgte er die Besucherinnen und Besucher mit Spezialitäten aus einem der ausstellenden Länder - die sinnliche Erfahrung des Fremden und Exotischen war also nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Gaumen möglich. Wem der chinesische Tee weniger zusagte, konnte seinen Durst aber auch auf vertraute Weise mit Liesinger Bier oder steirischem Wein löschen.
Obige Abbildung zeigt den chinesischen Teepavillon auf dem Weltausstellungsgelände im Prater. Wie viele andere gastronomische Einrichtungen versorgte er die Besucherinnen und Besucher mit Spezialitäten aus einem der ausstellenden Länder - die sinnliche Erfahrung des Fremden und Exotischen war also nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Gaumen möglich. Wem der chinesische Tee weniger zusagte, konnte seinen Durst aber auch auf vertraute Weise mit Liesinger Bier oder steirischem Wein löschen.
Freitag, 5. September 2014
TERMINSACHE NR. 70: Hautlichkeit. Gestalterische und wissenschaftliche Praktiken zur Oberfläche
Vom 10. bis 11. Oktober 2014 findet in Berlin (BTK - Hochschule für Gestaltung) eine von Christof Windgätter und Gottfried Schnödl konzipierte Tagung zum Thema "Hautlichkeit. Gestalterische und wissenschaftliche Praktiken zur Oberfläche" statt. Nähere Infos hier.
Montag, 1. September 2014
ANSICHTSSACHE NR. 65: 50 Jahre türkische Gastarbeit
Das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien zeigt von 3. bis 28. September 2014 die Ausstellung "'Avusturya! Österreich!' 50 Jahre türkische Gastarbeit in Österreich" - nähere Infos hier.
Eröffnung der Ausstellung: Dienstag, 2. September 2014, 19 Uhr
Ankündigungstext:
Im Mittelpunkt stehen die Geschichten, die Leistungen und das Leben türkischer/kurdischer Arbeitsimmigrant/-innen in Österreich. Neben der chronologischen Aufarbeitung der Migrationsgeschichte wird auf der Basis von Biografien ein jahrzehntelanger Querschnitt durch die unterschiedlichen Berufe, Wirkungsstätten und sozialen Schichten von in Österreich lebenden türkischen und kurdischen GastarbeiterInnen erzählt, um dadurch die vielen Facetten ihrer gesellschaftlichen Wirklichkeit aufzuzeigen.
Die Ausstellung besteht aus individuellen Lebensgeschichten, ergänzt durch historische, wirtschaftliche, sozioökonomische, kulturelle und politische Bezüge. Künstlerische Zugänge positionieren sich zu bestimmten bis heute wirkenden Aspekten der Immigrationsgeneration und kontextuieren diese mit gesamtge-sellschaftlichen Entwicklungen.
Über diese Menschen und ihr Leben in unserem Land kursieren zwar viele Vorurteile, tatsächlich aber weiß man sehr wenig darüber. Nun haben einige von ihnen Worte für ihre Geschichte gefunden: Die Ausstellung „Avusturya! Österreich“ erlaubt uns einen Blick in die Lebens- und Gefühlswelt dieser MigrantInnen.
Seit 2012 recherchieren und interviewen MitarbeiterInnen des Vereins JUKUS türkische und kurdische MigrantInnen der ersten Generation. Dabei wurden über 30 Interviews in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol, der Steiermark und Vorarlberg geführt. Das erarbeitete Datenmaterial ist ein wichtiger Beitrag zur österreichischen Zeitgeschichte und wird mit der Ausstellung „Avusturya! Österreich!“ auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Neben einer chronologischen Aufarbeitung der Migrationsgeschichte sind Fotoportraits der Interviewten und Auszüge aus deren privaten Fotoalben zu sehen. Ergänzt werden die Bilder von Sprüchen, Zitaten und Witzen der Portraitierten, um die vielen Facetten ihrer gesellschaftlichen Wirklichkeit aufzuzeigen.
Die Ausstellung wurde vom Sozialhistoriker Joachim Hainzl und dem Projektleiter Ali Özbas kuratiert. Sie soll einen Eindruck von der Vielfalt der Tätigkeiten, Alltagskulturen und sozialen Schichten der MigrantInnen vermitteln.
Sonntag, 31. August 2014
FOTOSACHE NR. 37: Vienna Windows - Auslage in Arbeit
1160 Vienna, Neulerchenfelder Strasse 49. closed shop. Photo: Martin Frey – www.facebook.com/martinfrey.vienna |
1160 Vienna, Neulerchenfelder Strasse 49. closed shop. Photo: Martin Frey – www.facebook.com/martinfrey.vienna |
Martin Frey und Hanna Schimek fotografieren Wiener Geschäftsauslagen - zu sehen sind die Fotos unter dem Titel "Vienna Windows - Auslage in Arbeit" auf Tumblr.
Dem selben Thema widmet sich Martin Frey auch gemeinsam mit Philipp Graf - siehe dazu ihre Website Geschäfte mit Geschichte. Waren aller Art in Wien.
1060 Vienna Stumpergasse 11. Photo: Hanna Schimek. closed shop |
1060 Vienna Stumpergasse 11. Photo: Hanna Schimek. closed shop |
Freitag, 29. August 2014
FOTOSACHE NR. 36: Stadionbad
Samstag, 9. August 2014
ANSICHTSSACHE NR. 64: Sticken für den Kaiser
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| Foto: Christa Knott © ÖMV |
Im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien ist noch bis zum 2. November 2014 die Ausstellung "Arbeiten ruthenischer Flüchtlinge im Ersten Weltkrieg. Stick- und Knüpfmusterstücke" (nähere Infos hier) zu sehen.
Die Kuratorin Kathrin Pallestrang erläutert für diesen Blog, ausgehend von einem der Exponate, die historischen und politischen Hintergründe dieser Textilarbeiten:
Sticken für den Kaiser
Kartonplatte, darauf aufgeklebt drei Stickmuster (Baumwollgarn auf Mischgewebe in Flach- und Kreuzstich) mit den Inventarnummern ÖMV/38639, ÖMV/38640 und ÖMV/38641, Aufschrift auf dem Karton: „Bezirk Towmatsch“.
Alltag in einem Flüchtlingslager: Handarbeitskurse sowie Näh- und Stickunterricht in der Lagerschule gehörten zur Zeit des Ersten Weltkriegs zum täglichen Programm für die Frauen und Mädchen des Lagers Gmünd im Waldviertel. Hier war innerhalb kürzester Zeit eines der größten Lager für die Kriegsflüchtlinge der Habsburgermonarchie errichtet worden. Rund 30.000 Ruthenen aus den Grenzgebieten der Monarchie zum russischen Zarenreich lebten hier von 1914 bis 1918 in mangelhaft ausgerüsteten Holzbaracken und litten unter der schlechten Versorgung mit Kleidung und Nahrung. Ein großer Teil von ihnen liegt am Lagerfriedhof begraben. Bereits vor Beginn der Kampfhandlungen waren 1914 tausende Menschen im Grenzgebiet des Kronlandes Galizien zum Zarenreich vom k.u.k. Militär evakuiert, vertrieben oder ausgewiesen worden. Ein häufiger Grund war Spionageverdacht. Die dort ansässigen ruthenischen Untertanen wurden generell verdächtigt, mit dem slawischsprachigen Feind zu kooperieren. Von der Habsburgischen Verwaltung wurden alle, die eine ostslawische Sprache oder einen ostslawischen Dialekt verwendeten, als „Ruthenen“ bezeichnet. Diese lebten vorwiegend in Galizien, der Bukowina und Nordungarn (Karpatoukraine), also in Gebieten, die vom Krieg besonders rasch und heftig getroffen wurden. Die Behörden Österreich-Ungarns waren auf die Flüchtlingsströme nicht vorbereitet. 1915 eröffnete das k.k. Innenministerium daher in Wien eine Ausstellung, die anhand von Fotos und gefälschten Statistiken das Gegenteil beweisen sollte. Ein großer Bereich der Schau widmete sich den in den Lagerwerkstätten erzeugten hausindustriellen Produkten wie Strohschuhen, Puppen, Karren oder Textilien wie die vorliegenden Handarbeitsmuster, die für die Ausstellung auf Kartons aufgeklebt wurden. In der Präsentation dieser Produkte wurde die Nationalität der Hersteller und Herstellerinnen hervorgehoben. Vorgeblich dienten die Arbeiten im Sinne der Gewerbeförderung dem Erhalt von traditionellen Mustern und Herstellungstechniken, worin sich die Ausstellung nicht von den großen und kleineren Präsentationen von Volkskunst und Hausindustrie unterschied, wie sie im 19. und frühen 20. Jahrhundert populär waren, so etwa im Rahmen der Weltausstellungen. In der Presse wurde diese Produktschau hochgelobt und als Möglichkeit gesehen, den nationalen Formenschatz der „heimatlosen Kinder des Vaterlands“ zu erhalten und für ihre Rückkehr zu konservieren. Die Arbeit in den Lagerwerkstätten fand allerdings nicht freiwillig statt, sondern war Zwangsarbeit. Ein großer Teil der erzeugten Güter waren außerdem kriegswichtige Produkte, wie die Strohschuhe, die den Soldaten an die Front geliefert wurden. Die Presse hob gerade diese Verbindung des Nützlichen mit dem Pittoresken der Volkskunst positiv hervor. Die Reduktion der Lebensrealität der Flüchtlinge auf die entzückenden Dinge, die sie produzierten, entwarf jedoch eine Scheinwelt, die harmlos und niedlich wirkte. Wie in den früheren Ausstellungen von Hausindustrie auch sollten auf diese Weise die Völker der Monarchie einander näher gebracht und Unterschiede eingeebnet werden. In Wirklichkeit trug dies jedoch zur Typisierung bei und verstärkte Unterschiede nachhaltig.
Die Beschäftigung mit den wunderschönen, großteils sehr fein gearbeiteten Stickereien zeigt wieder einmal, dass die sogenannte Volkskultur bzw. die Volkskunst nie losgelöst von gesellschaftlichen Bedingungen betrachtet werden können. Sie sind nie einfach nur ästhetisch ansprechend oder schön, sondern immer hochpolitisch.
Literatur:
Kathrin Pallestrang (Hg.): Stick- und Knüpfmuster ruthenischer Flüchtlinge im Ersten Weltkrieg. Aus der Sammlung des Volkskundemuseums Wien. Katalog zur Ausstellung „Arbeiten ruthenischer Flüchtlinge im Ersten Weltkrieg: Stick-und Knüpfmusterstücke“ im Österreichischen Museum für Volkskunde 30. April bis 2. November 2014 (= Objekte im Fokus, Band 4). Wien 2014. ISBN 978-3-902381-50-7
Samstag, 2. August 2014
FOTOSACHE NR. 35: Urlaub in Wort und Bild
Heute geht es in meiner Fotoglosse im Extra der Wiener Zeitung um dieses von Josef Perneger aufgenommene Foto - er gewann damit ein Preisausschreiben zum Thema "Urlaub in Wort und Bild", das die vom Österreichischen Gewerkschaftsbund herausgegebene Zeitschrift Solidarität 1956 ausgerufen hatte.
Sonntag, 27. Juli 2014
Donnerstag, 24. Juli 2014
ANSICHTSSACHE NR. 63: Gestickte Moral
Noch bis 8. Februar 2015 im Frauenmuseum Hittisau in Vorarlberg zu sehen: eine Ausstellung zum Thema "Gestickte Moral. Spruchtücher zwischen Tradition, Rollenzuschreibung und Illusion".
Ankündigungstext:
Eine Ausstellung mit einer künstlerischen Intervention von Beate Luger-Goyer und Werken von Flurina Badel, Kathrin Haller, Renate Hinterkörner, A.M. Jehle, Christine Lederer, Christine Pavlic, Carmen Pfanner, Maria Stockner und Zsófi Pittmann.
„Eine besondere Krankheit des guten Geschmacks ist die Manie, alles mit Sprüchen zu verzieren!", klagte eine Hausfrauenzeitschrift im Jahr 1905. Gestickte Wünsche, Lebensweisheiten, Handlungsmaximen und Sinnsprüche waren in fast jedem Haushalt zu finden. In Küche und Stube, Schlafzimmer und Wäschekammer gaben sieden BewohnerInnen sinnige, religiöse, moralisch belehrende aber auch ironisch-subversive Weisheiten mit auf den Weg. Ihre Blütezeit erlebten gestickte Spruchtücher zwischen 1870 und 1930. In den Küchen vieler Haushalte waren sie aber noch bis in die 1950er Jahre hinein zu finden. Nach den Weltausstellungen der Gründerzeit vom Bürgertum in Mode gebracht, hielten sinnreich bestickte Textilien bald auch in bäuerlichen, kleinbürgerlichen und proletarischen Haushalten Einzug.
Für die Ausstellung hat das Frauenmuseum Hittisau hunderte Spruchtücher gesammelt - darunter auch von Migrantinnen mitgebrachte Tücher in kroatischer, italienischer, tschechischer oder ungarischer Sprache.
Die (doppel-)moralischen Appelle und Ermahnungen zu Fleiß, Frömmigkeit und Sparsamkeit sind aufschlussreiche kultur- und frauenhistorische Dokumente und erzählen von Rollenfestschreibungen, Wertvorstellungen, Disziplinierungsstrategien und menschlichen Beziehungen als Wunschbild, Realität oder Bürde.
Rollenfestschreibungen und Illusion
Spruchtücher spiegeln in ihren Gestaltungselementen die Strömungen des Zeitgeschmacks wider. In ihrer Funktion sollen sie schonen, verdecken, schmücken, ordnen. In ihrer Aussage sind gestickte Spruchtücher Belege für das Frauenbild ihrer Entstehungszeit. Sie geben Einblick in die Lebensrealität der meisten Frauen, deren Fokus ausschließlich auf Küche, Haushalt und Familie liegen durfte. Die häufig im Imperativ abgefassten Leitsätze wenden sich so gut wie ausschließlich an eine Frau in ihrer Rolle als Ehefrau, Mutter und Hausfrau.
Die Botschaften sind vielfältig. Sie reichen von Aufforderung, die eigene Mutter zu ehren („Was Mütterlein mir einst beschert, Halt' ich in diesem Schranke wert, Soll glatt und fein geordnet sein, Wie's einstens hielt mein Mütterlein.“) bis zu mahnenden Imperativen über die Pflichten als Hausfrau („Merk es Köchin Dir genau, Hälst Ordnung Du ist gut die Frau.“), von der herzzerreißenden Dokumentation einer kriegsbedingten Trennung („Abschied des Reservisten“) bis zum Aufruf zur Selbstaufgabe („Bist du Amboß, sei geduldig, Bist du Hammer, schlage zu.“).
Viele Spruchtücher haben einen augenzwinkernd-subversiven Unterton („So sanft wie ein Lämmlein wünsche ich mir mein Männlein“ oder „Ohne Glück und Gunst ist Kunst umsunst!“, andere – wenn auch seltener zu finden – sind Ausdruck politischer Überzeugungen, wenn sie etwa Engelbert Dollfuß mit dem Kruckenkreuz oder Kronprinz Rudolf abbilden.
Nähere Infos hier.
Dienstag, 22. Juli 2014
TERMINSACHE NR. 69: CFP: Alter(n) in Beziehungen
Wie manifestiert sich Alter(n) in den Dingen? Das ist eine der Fragen, denen die für Februar 2015 am Hamburger Institut für Volkskunde / Kulturanthropolgie geplante Tagung zum Thema "Alter(n) in Beziehungen - Ordnungen, Praktiken, Materialitäten" nachgeht.
Nähere Infos + CFP auf hsozkult.
Freitag, 18. Juli 2014
Dienstag, 15. Juli 2014
FORSCHUNGSSACHE NR. 12: Dominanz durch Dinge?
Vom 27. Februar bis 1. März 2014 fand in den Tagungsräumen der Berliner WeiberWirtschaft eine Konferenz zum Thema "Dominanz durch Dinge? Zum Verhältnis von sozialen Asymmetrien und Materialitäten aus historischer Perspektive (XXXII. Tagung des Arbeitskreises Geschichte+Theorie)" statt - nun gibt es auf hsozkult einen Tagungsbericht von Florian Schleking dazu.
Donnerstag, 10. Juli 2014
JOBSACHE NR. 3: Kleidungs- und Wäschegeschichte
Job: Doktorand/in und 0,4 Wiss. Mitarb. "Kleidungs- und
Wäschegeschichte" (Univ. Basel)
Universität Basel, Basel, 01.09.2014-31.08.2017
Bewerbungsschluss: 05.08.2014
Das Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der
Universität Basel und das Institut Experimentelle Design- und
Medienkulturen der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW
suchen per 1. September 2014 oder nach Vereinbarung für ein
Forschungsprojekt zur Kultur- und Designwissenschaft der Kleidung
Einen Doktoranden/eine Doktorandin
Eine/n wissenschaftliche/n Mitarbeiter/in (40%)
Die Sammlung der Firma HANRO bietet mit rund 20'000 Musterstücken,
Entwurfszeichnungen, Stoffproben, Katalogen, Werbematerial und dem
Verwaltungsarchiv Einblick in mehr als hundert Jahre Kleidungs- und
Wäschegeschichte. In einem interdisziplinären Projekt der beiden
Institute und des Amtes für Kultur, Archäologie und Museum Baselland
sollen Entwurf und Produktion, Werbung und Image, Konsum und Gebrauch
von Kleidung in einer kultur- und designhistorischen und -theoretischen
Perspektive aufgearbeitet werden.
Doktorandin/ Doktorand
Das Teilprojekt "Kreativität nach Mass: Textiles Entwerfen unter
industriellen Bedingungen" behandelt aus design- und
entwurfstheoretischer Perspektive Entwurfsprozesse in der
Textilproduktion. Diese, aber auch begleitende technische, ästhetische
und soziale Praktiken und Diskurse, Arbeitsprozesse, Aufgaben- und
Rollenverteilungen, professionelle Herkunft und gestalterischen
Selbstverständnisse sollen rekonstruiert werden.
Ihr Profil:
-Studium der Design- oder Kulturwissenschaft oder eines benachbarten
Faches mit Fokus Designtheorie und -geschichte
-Ausgezeichneter Studienabschluss (Liz./MA)
-Exzellente Analyse- und Schreibfähigkeiten
-Konzeptionelles Denken, Selbständigkeit, Flexibilität
-Team- und projektorientiertes Arbeiten
-Organisations- und Kommunikationstalent
wissenschaftliche Mitarbeiterin/wissenschaftlicher Mitarbeiter (40%)
Das Teilprojekt "Hanro of Switzerland: Bild und Bildung einer Marke"
untersucht den Prozess der Markenbildung und -entwicklung. Im Zentrum
stehen bildliche, schriftliche und materielle Repräsentationen der
Marke. Was wird zu welcher Zeit als "Hanro" gedacht und entwickelt,
produziert und vermarktet? Welche Materialien, Qualitäten,
Verarbeitungsformen stellen die Bedeutung "Swissness" symbolisch her?
Zudem wird nach den Körper-Bildern gefragt, welche die Marke als Ideal
kommuniziert. Welche Körper schafft Hanro-Kleidung zu welcher Zeit?
Ihr Profil:
-Studium der Kulturanthropologie/Europäischen Ethnologie oder eines
benachbarten Faches
-Ausgezeichneter Studienabschluss (Liz./MA oder Diss.)
-Ausgewiesene Kenntnisse in der Bild-, Werbe-, und Markenforschung und
der entsprechenden Methodik
-Exzellente Analyse- und Schreibfähigkeiten
-Konzeptionelles Denken, Selbständigkeit, Flexibilität
-Team- und projektorientiertes Arbeiten
-Organisations- und Kommunikationstalent
Die promovierende Person wird gemeinsam von Claudia Mareis und Walter
Leimgruber betreut.
Die Stellen sind auf 3 Jahre befristet.
Entlöhnung nach Ansätzen SNF/Uni Basel
Senden Sie Ihre Bewerbung mit den üblichen Unterlagen elektronisch bis
zum 5. August 2014 an kulturwissenschaft@unibas.ch. Für Fragen stehen
Ihnen Prof. Dr. Walter Leimgruber (walter.leimgruber@unibas.ch) oder
Prof. Dr. Claudia Mareis (claudia.mareis@fhnw.ch) zur Verfügung.
Nähere Infos hier.
Quelle: hsozkult
Samstag, 5. Juli 2014
FOTOSACHE NR. 34: Weltausstellung und Grand Hotel
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| © Archiv Susanne Breuss |
Heute in meiner Fotoglosse im Extra der Wiener Zeitung: ein Beitrag über die Entstehungsgeschichte des Wiener Grand Hotels und die neue Hotellerie, die sich im Vorfeld der Weltausstellung von 1873 entwickelte.
Susanne Breuss: Das Novum Grandhotel (= Fotoglosse schwarz & weiß). In: Wiener Zeitung Extra, 5./6. Juli 2014, S. 43.
Donnerstag, 3. Juli 2014
TERMINSACHE NR. 68: Metamorphosen der Dinge
Tagung der Volkskundlichen Kommission für Westfalen, LWL, in Zusammenarbeit mit dem LWL-Textilmuseum Bocholt:
"Metamorphosen der Dinge. Sammeln - Zeigen- Forschen".
Beginn: Freitag, 24.10.2014, um 14:00 Uhr
Ende: Samstag, 25.10.2014, ca. 14:00 Uhr
Anmeldeschluss: 14.10.2014
Veranstalter: Volkskundlichen Kommission für Westfalen, LWL, und LWL-Textilmuseum Bocholt
Veranstaltungsort: LWL- Textilmuseum Bocholt, Uhlandstraße 50, 46397 Bocholt
Ankündigung:
Das Museum gilt gemeinhin als Ort des Bewahrens einer materiellen Hinterlassenschaft. Objekte, die der Institution einmal übergeben worden sind, bewahrt diese für lange Zeit, scheinbar geschützt vor Veränderung. Mag dies auch aus konservatorischer Sicht zutreffen, sind es doch gerade Museen, die den Dingen auf unterschiedliche Weise Metamorphosen abverlangen, ganz gleich, ob es sich dabei um repräsentative oder patrimoniale Objekt handelt. In der Diskussion ist daher nicht mehr nur der "Schatten der Dinge", sondern die besondere Verantwortung der Institution und der ihr zugeordneten Wissenschaft vor der schon von Goethe zum theoretischen Prinzip erhobenen ewigen Umwandlung. Die Transformation der alltäglichen Dinge in Museumsobjekte und der sich daraus ableitende Umgang mit ihnen erhält im Fokus einer Gesellschaft, die zunehmend von der "Herrschaft des Virtuellen" (Martin Scharfe) geprägt ist, eine besondere Virulenz. Denn das Museum wird im Zusammenklang mit anderen Vermarktern der Ware 'Geschichte' zum 'Gedächtnismacher', zum Anteilsgeber von Erinnerung. Es muss sich daher fragen lassen, inwieweit es im Sinne von Reinhart Koselleck durch Homogenisierung, Vereinfachung, Verschlichtung, Mediatisierung und schließlich durch den ihm eigenen Zwang zur Kollektivierung an Ideologie oder Mythos arbeitet, oder ob es die Dinge immer wieder neu "durch die Düse der historischen Kritik" befragt und einer differenzierten Erinnerungskultur zur Verfügung stellt. In jedem Fall spielt hier nicht nur das einzelne Objekt, sondern seine Existenz in einer Konstellation und im Raum mit anderen eine zentrale Rolle. Das Museum war jedoch nie allein der Hort der Schätze und der Dinge. Sammlungen, seien sie nun privat oder institutionell, gewinnen in einer Gesellschaft an Bedeutung, deren Tendenz zur Immaterialisierung nicht mehr zu leugnen ist. Sei es, dass sie ihre Relikte für Neues zur Verfügung stellen oder nur als Grabkammer (Friedhof der Dinge) funktionieren. In diesem Spannungsfeld von Erinnerungskulturen muss über die Dinge und die ihnen innewohnende Fähigkeit zur Veränderung ebenso nachgedacht werden wie über den Anspruch von 'Museum' als Institution zur Schaffung von Bedeutung, Perspektive und Relevanz.
Programm:
Freitag, den 24. Oktober 2014
14:00 Uhr: Eröffnung
Grußwort Prof. Dr. Ruth-E. Mohrmann (Münster)
14:15 Uhr: 2 Führungen durch das Textilmuseum
16:00 - 16:45 Uhr: Claudia Gottfried M.A. (Ratingen): Vieldimensionale Bezüge. Neue Zugänge zur textilen Sammlung des LVR-Industriemuseums
16:45 - 17:30 Uhr: Prof. Dr. Dorothee Haffner (Berlin) und Katharina Hornscheidt M.A.(Berlin): Stoffmuster im Fokus - Renaissance und Rezeption
Moderation: Prof. Dr. Elisabeth Timm (Münster)
20:00 - 21:30 Uhr: Öffentlicher Abendvortrag
Begrüßung: Dr. Hermann-Josef Stenkamp (Bocholt)
Prof. Dr. Gudrun M. König (Dortmund): Metamorphosen der Dinge. Anmerkungen zu Begriff und Sache
Moderation: Prof. Dr. Ruth-E. Mohrmann
Samstag, den 25. Oktober 2014
10:00 - 10:45 Uhr: Prof. Dr. Dr. Markus Walz (Leipzig): Metamorphopsie von Dingen. Fragmentierte Theorien des Sammelns und Dokumentierens als Unprobleme der Museumspraxis
10:45 - 11:30 Uhr: Dr. Silvia Glaser (Nürnberg): Das Bayerische Gewerbemuseum in Nürnberg. Funktionswandel einer Lehr- und Weiterbildungsanstalt des 19. Jahrhunderts
12:00 - 12:45 Uhr: Dr. Lioba Keller-Drescher (Tübingen): Sammlung als Verlaufsform
12:45 - 13:30 Uhr Silke Wawro Dipl. Des. a. M. A.(Dortmund): Volksware, 1-7. Künstlerische Interventionen in Produktstrategien
Moderation: Dr. Wolfgang Rumpf (Bremen)
Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben. Bei Rückfragen oder zur Anmeldung wenden Sie sich an: katharina.klapdor@lwl.org oder 0251/8324406.
Mittwoch, 2. Juli 2014
ANSICHTSSACHE NR. 62: Böse Dinge
Nur noch bis 6. Juli 2014 zu sehen: die Ausstellung "Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks" im Wiener Hofmobiliendepot (in Kooperation mit dem Werkbundarchiv - Museum der Dinge, Berlin).
Nähere Infos hier.
Wer "böse Dinge" besitzt und diese los werden will, kann das mit einem guten Zweck verbinden. Das Hofmobiliendepot sammelt unter dem Motto "Bring dein Ding" solche Dinge in einem eigenen Regal in der Ausstellung (mittlerweile wurde dafür auch ein zusätzlicher Tisch in der Eingangshalle aufgestellt - das Bedürfnis, "böse Dinge" los zu werden, scheint recht groß zu sein...) und verkauft sie am letzten Tag der Ausstellung zugunsten des neunerhauses.
Infos zu dieser Aktion hier und hier.
Montag, 30. Juni 2014
ANSICHTSSACHE NR. 61: Der Erste Weltkrieg in Briefen und Tagebüchern
| Kriegsgefangenenkarte vom 29.11.1915 aus dem Lager Antipicha bei Tschita an Richard Weiskirchner. WBR, HS |
In der Wienbibliothek im Rathaus ist noch bis 30. Jänner 2015 folgende Ausstellung zu sehen:
"'Es ist Frühling und ich lebe noch'. Eine Geschichte des Ersten Weltkriegs in Infinitiven. Von Aufzeichnen bis Zensieren".
Nähere Infos hier.
Einen Beitrag dazu gibt es auch in der Wiener Zeitung.
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