"Wir wurzeln alle im Alltage.
Seine Gewohnheiten machen für die
meisten schlechthin das Leben aus.
In diesem Alltag, den bloss der unbesonnene
Élegant des Geistes bespöttelt, liegt etwas
sehr Grosses ... liegt unsere Cultur."
Michael Haberlandt: Cultur im Alltag. Wien 1900.



Mittwoch, 12. Februar 2014

FOTOSACHE NR. 27: Februar 1934 in einem privaten Fotoalbum - der zerschossene Goethehof


© Archiv Susanne Breuss



Auch wenn das Familienalbum dazu dient, die schönen Momente des Lebens zu bewahren, so hinterlässt die „große Politik“ doch immer wieder ihre Spuren. Häufig eher indirekt, manchmal sehr unmittelbar, wie im Fall der hier abgebildeten Aufnahme vom März 1934, die den in den Februarkämpfen angeschossenen Goethehof in Wien-Donaustadt (damals zum 2. Wiener Gemeindebezirk gehörend) zeigt. Solche Dokumente politischer Gewalt finden sich selten inmitten der typischen Familiensujets, soll doch nichts die Harmonie der persönlichen Erinnerungsfotos stören. In Anbetracht der Bedeutung, die dem bewaffneten Bürgerkrieg im Februar 1934 im kollektiven Gedächtnis zukommt, erscheinen jedoch gerade solche Aufnahmen von zerstörten Gemeindebauten keineswegs als „Fremdkörper“ im visuellen Familiengedächtnis. Die Niederschlagung der Sozialdemokratie durch das austrofaschistische Regime versinnbildlichte sich in den durch Artilleriebeschuss beschädigten baulichen Manifestationen des „Roten Wien“. Die Gemeindehöfe waren nicht nur weltweit beachtete Symbole der sozialdemokratischen Wohnbaupolitik, sondern auch reale Orte eines reformierten Alltagslebens.
Dem politischen Gegner galt es daher als besonderer Sieg, die verhassten „roten Festungen“ in Trümmern liegen zu sehen. So veranlasste die Regierung Dollfuß nach den Februarkämpfen die Herausgabe einer Postkartenserie mit Ansichten zerschossener Wiener Gemeindebauten. Offensichtlich fanden solche Ansichtskarten jedoch weniger in die privaten Fotosammlungen von Angehörigen der Polizei, des Bundesheeres oder der Heimwehr Eingang, sondern in jene der Opfer und Verlierer. Für diese dokumentierten sie nicht nur die Zerschlagung des politischen Widerstands, sondern auch das Ende einer großen Hoffnung, die sich auf weit mehr als politische Programme bezog. Die Gemeindebauten standen für ein Stück gelebte Utopie und die Zerstörung des unmittelbaren Lebensumfeldes kam einer massiven Bedrohung der persönlichen Identität gleich.

In den Jahren 1928 bis 1930 erbaut, zählte der zwischen Kaiserwasser und Schüttaustraße angesiedelte Goethehof zu den imposanten Vorzeige-Wohnhausanlagen des „Roten Wien“. Er war im Februar 1934 besonders hart umkämpft. Das Café Goethehof wurde dabei vollkommen zerstört, ebenso die darüber liegenden Wohnungen. Die Zeitung „Germania“ berichtete: „Vielleicht an keinem anderen Ort sieht man die Schrecken des Bürgerkrieges deutlicher als hier. Die Bewohner irren verschreckt umher und sehen verstört auf das Trümmerfeld, das ehedem ihre Wohnung war.“ Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den ursprünglichen Besitzern dieses anonymen Fotos um Bewohner des Goethehofes gehandelt hat. Möglicherweise befand sich deren Wohnung im Bereich des fotografierten Gebäudeabschnitts.



Dieser Text erschien erstmals als:
Susanne Breuss: Die Zerstörung einer Utopie (= Fotoglosse "schwarz & weiß"), in: Wiener Zeitung Extra, 14. Februar 2009, S. 2.
(hier wiedergegeben ist nicht das ursprünglich abgedruckte Foto, sondern eine Ansicht der entsprechenden Albumseite, außerdem handelt es sich hier um meine ursprüngliche Textfassung) 


FUNDSACHE NR. 48: Thomas Bernhard



Zum 25. Todestag von Thomas Bernhard ein Zitat aus "Heldenplatz" (1988):

meine Frau ist nie in einen Park gegangen
nur auf die Friedhöfe
es ist ja auch nirgendwo schöner als auf den Friedhöfen



Dienstag, 11. Februar 2014

FUNDSACHE NR. 47: Mutig und kühn






Heute wird die britische Modedesignerin Mary Quant 80 Jahre alt. Berühmt geworden ist sie durch den Mini-Rock und durch jugendliche Straßenmode - in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren war ersterer ein Skandal und zweiteres neu und ungewöhnlich.
Das kommt auch in dieser Werbeanzeige aus dem Jahr 1967 noch deutlich zum Ausdruck: "Mutige" Stiefel für den "kühnen" Mini-Rock. 

Meine nächste Fotoglosse im Extra der Wiener Zeitung (Erscheinungstermin: 15. Februar 2014) ist ebenfalls der Mini-Mode gewidmet.



Montag, 10. Februar 2014

HÖRSACHE NR. 34: Verbotenes Pratervergnügen



Den "Rudschduam" im Prater - gesungen und gespielt von Ernst Molden, Willi Resetarits, Walther Soyka und Hannes Wirth (von ihrer neuen Platte "Ho rugg") - gibt es hier.



Samstag, 8. Februar 2014

Freitag, 7. Februar 2014

TERMINSACHE NR. 55: Geschichte der Prothesen


In Dresden findet vom 13. bis 14. März 2014
eine interdisziplinäre Tagung mit dem Titel "Die Mobilisierung des Körpers. Prothetik seit dem Ersten Weltkrieg" statt. Es handelt sich dabei um eine Tagung des Verbundprojektes "Anthropofakte. Schnittstelle Mensch. Kompensation, Extension und Optimierung durch Artefakte" der Technischen Universität Berlin und des Deutschen Hygiene-Museums Dresden. Nähere Infos hier.

Aus dem Ankündigungstext: 

Ausgangspunkt der Tagung ist der Beginn des Ersten Weltkriegs, der sich 2014 zum 100. Mal jährt. Er war paradigmatisch für die Mobilmachung des Körpers in der Moderne, zu deren wichtigsten Instrumenten die Prothetik gehört. Die Kriegsereignisse und -folgen hatten einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf die Entwicklung von Prothesen, die Veränderung der Körperbilder und die kulturelle, künstlerische und intellektuelle Wahrnehmung des Körpers in der Gesellschaft. Der Erste Weltkrieg eignet sich daher in besonderer Weise, um die Veränderungsprozesse aufzuzeigen, die bis heute weiterwirken.



Mittwoch, 5. Februar 2014

ANSICHTSSACHE NR. 51: Historische Fotos von Kindern




Kinder im Kindergarten, Wien, 1959, Foto: Otto Simoner, © Österreichische Nationalbibliothek



Unter dem Titel "Kinder, wie die Zeit vergeht! Kleine Prinzen und große Mädchen in historischen Fotografien" zeigt die Österreichische Nationalbibliothek noch bis 23. Februar 2014 im Prunksaal eine Ausstellung mit historischen Kinderfotos - nähere Infos hier. 

Aus dem Pressetext:

Leuchtende Augen, unbeschwerte Kindertage, aber auch der frühe Ernst des Lebens – die Ausstellung „Kinder, wie die Zeit vergeht!“ präsentiert im Prunksaal die schönsten, amüsantesten und berührendsten Kinderfotos aus den reichhaltigen Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek. Zum Teil noch nie gezeigte Atelier- und Pressefotos, aber auch Privataufnahmen von Buben und Mädchen lassen die Zeit von ca. 1870 bis in die 1970er Jahre aus einer ganz besonderen Perspektive wieder lebendig werden.
Aufgenommen auf dem Gebiet des historischen und des heutigen Österreich, geben sie einen sozial- und kulturhistorisch spannenden Einblick in das Alltagsleben vergangener Tage. Mehr als 250 Exponate zu den Themen Schule und Erziehung, Arbeit und Spiel, Mode und Medien, Feste und Familie zeigen alles, was das Kinderherz damals bewegte. Kinderbilder von Prominenten wie Arthur Schnitzler, Ludwig Wittgenstein oder Kronprinz Rudolf illustrieren die Lebenswelt der Oberschicht in der Donaumonarchie, Aufnahmen von Kindern, die mit echten Waffen posieren oder in Kriegsruinen spielen, beleuchten das Elend der Weltkriege, während Fotos der 50er, 60er und 70er Jahre die eigene Kindheit wieder in Erinnerung rufen. Ergänzt wird diese abwechslungsreiche Vielfalt an Fotografien durch Grafiken und Aquarelle aus dem berühmten „Kronprinzenwerk“, das die Völker sämtlicher Kronländer dokumentierte, sowie durch ausgewählte Schulaufsätze, Kinderzeichnungen und Kinderbücher. „Kinder, wie die Zeit vergeht!” – eine faszinierende Geschichte der Kindheit in Bildern. 


 

Dienstag, 4. Februar 2014

FORSCHUNGSSACHE NR. 11: Konsum an der Heimatfront



Im Dezember 2013 fand in London eine Tagung zum Thema "The Consumer on the Home Front: Second World War Civilian Consumption in Comparative Perspective" statt - nun gibt es dazu einen Tagungsbericht von Jan Logemann.


Samstag, 1. Februar 2014

FUNDSACHE NR. 45: Der Blumenflor des Winters






Unter dem Titel "Der Blumenflor des Winters" erschien im Jahr 1866 in Waldheim's Illustrirten Monatsheften ein Beitrag über Schneekristalle (samt obiger Abbildung). Neben einigen naturwissenschaftlichen Betrachtungen und der Empfehlung, ein Vergrößerungsglas zur Hand zu nehmen, um diesen verkannten Gebilden die ihnen gebührende Aufmerksamkeit und Bewunderung zukommen lassen zu können, enthielt der Artikel auch speziell an die Damen gerichtete Anregungen:

Wir haben nicht die Absicht, das Gebiet der Modezeitungen zu verletzen und die Privilegien der letzteren zu usurpiren, um Vorlagen für Stickmuster zu empfehlen, aber wir glauben, daß wir, ohne unserer Würde zu nahe zu treten, noch der unseres Gegenstandes, die Blumen, die wir beschrieben haben, der Beachtung unserer schönen Leserinnen empfehlen dürfen. Sie gäben vortreffliche Muster für Stickereien. Die verschiedenartigsten Formen kann man sich selbst beschaffen, indem man diese Schneekrystalle abzeichnet; man kann sie dabei bis zu jedem beliebigen Umfang vergrößern, ohne ihre Schönheit dadurch im mindesten zu gefährden. Ein ziemlich rasches Auge und eine flinke Hand sind dazu nothwendig, um die Details aufzufassen, bevor sie hinwegschmelzen, aber einige Uebung wird bald gewandt machen und man wird finden, daß die geometrische Gestaltung das Zeichnen sehr erleichtert; [...] erlauben wir uns diese Bemerkungen nur mit bescheidenster Reserve, und geben die etwa brauchbaren Winke mit größter Uneigennützigkeit; wir geben zu, daß wir in Stickmustern nicht kompetent sind und möchten um alles in der Welt nicht in den Verdacht kommen, als hätten wir es auf einen Plunderkorb mit Schneekrystallen abgesehen, oder auf ein Paar Pantoffeln mit Schneeblumen.



Mittwoch, 29. Januar 2014

ANSICHTSSACHE NR. 50: Frauensachen



Seit heute im Wien Museum zu sehen: Die von mir unter Mitarbeit von weiteren Kolleg/inn/en kuratierte Präsentation "Neu im Museum: Frauensachen" (bis 23. März 2014). 
Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März wird eine Auswahl von Neuankäufen und Schenkungen der letzten Jahre zu verschiedenen Aspekten historischen und gegenwärtigen Frauenlebens gezeigt: Porträts und Werke bekannter und "vergessener" Frauen aus dem Kultur- und Gesellschaftsleben, Geschlechterinszenierungen in der zeitgenössischen Kunst, "weibliche" Alltagsdinge und frauenpolitische Dokumente.
Das Wien Museum sammelt Bilder und Objekte, die das Leben von Frauen in seiner Vielfalt und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Herrschende Weiblichkeitsnormen und Rollenklischees werden dabei ebenso berücksichtigt wie Emanzipationsbewegungen und alternative Konzepte, Selbstbilder ebenso wie Fremdbilder.
Zu den Exponaten zählen unter anderem: 
Fotos von Annegang, einem Künstler/innenkollektiv, das im Rahmen einer Aktion einige Wiener Straßennamentafeln "umgeschrieben" hat: Aus der Märzstraße wurde so die 8. Märzstraße, aus der Quergasse die Queergasse, aus dem Dr. Karl Lueger-Ring der Lisa-Fittko-Ring (nach einer jüdischen Widerstandskämpferin). 
Sgraffito-Entwürfe von Hermine Aichenegg aus den frühen 1950er Jahren für "Kunst am Bau" - mit für damalige Geschlechterverhältnisse besonders interessanten Sujets, nämlich Hausbau- und Straßenbaustellen.
Alltagsgegenstände, die Weiblichkeitsnormen repräsentieren oder die aufgrund ihrer Farbe oder ihres Gebrauchszusammenhangs als "gendered objects" zu verstehen sind.  

Vorankündigung:
Am 8. März 2014 bietet das Wien Museum ein Spezialprogramm zum Internationalen Frauentag an: Eine Führung durch "Neu im Museum: Frauensachen", mehrere themenspezifische Führungen durch die Dauerausstellung und einen Vortrag zur Geschichte des Frauentags. 


Donnerstag, 23. Januar 2014

ANSICHTSSACHE NR. 49: Institut für Stadterkundung



Gebe-Fabrik (Foto: Die 78er - Quelle)


Fotografische Ansichten Wiens aus ungewöhnlicher Perspektive fertigt "Die 78er - Institut für Stadterkundung" an. Aus der Selbstdarstellung:

Wir erkunden verlassene, vergessene und unzugängliche Orte in Wien und Umgebung. Dem Verfall freigegebene Fabriken, herrenlose Villen, verlassene Bürogebäude, verwaiste Kinderheime, freistehende Kräne und weite Tunnel unter der Stadt.
Fernab vom Alltagsgeschehen wird versucht, die oft ganz einzigartigen Stimmungen und die besondere Ästhetik dieser Orte photographisch festzuhalten. (Un-)Orte, die keine Funktion mehr innehaben, dem alltäglichen Blick verborgen bleiben und letzten Endes verschwinden.

 
Website


"Villa am Wegesrand" (Foto: Die 78er - Quelle)



Dienstag, 21. Januar 2014

DRUCKSACHE NR. 31: Anthropologie des Alltags



Bernhard Tschofen / Reinhard Johler / Monique Scheer / Thomas Thiemeyer (Hg.): Utz Jeggle: Das Fremde im Eigenen. Beiträge zur Anthropologie des Alltags (Untersuchungen des Ludwig-Uhland-Instituts der Universität Tübingen ; 115)


Ankündigungstext:

Utz Jeggle (1941–2009) gilt als einer der anregendsten Vertreter einer aus der Volkskunde entwickelten Empirischen Kulturwissenschaft (EKW). Als Student, später als Assistent und seit 1981 als Extraordinarius begleitete und prägte er die EKW am Tübinger Ludwig-Uhland-Institut. In seinen Arbeiten verbinden sich – stets kreativ gedacht und sprachlich gewandt – theoretische Fragen und eine zutiefst humanistische Auseinandersetzung mit der Kultur des Alltags.
Dieser Band versammelt wichtige Beiträge des vielseitigen Forschers und Denkers, Texte zu Grundfragen der Kulturforschung, über „Erinnertes und Schwieriges“, „Körperliches und Habhaftes“ und „Alltägliches und Abseitiges“. Beiträge über Utz Jeggle von Wegbegleitern und Schülern stellen den Menschen und Forscher Jeggle vor und verorten sein Werk in der volkskundlichen Kulturwissenschaft.



Montag, 20. Januar 2014

Samstag, 18. Januar 2014

FORSCHUNGSSACHE NR. 10: Wiener Alltagsleben 1814



Die Kälte, welche bis jetzt ziemlich anhält, ließ heute plötzlich nach, der Schnee schmolz auf den Dächern und Straßen und verwandelte die Stadt beinahe in einen See.

So gestaltete sich das Wetter in Wien vor genau 200 Jahren. Das Zitat stammt aus den Tagebüchern des jungen Wiener Beamten Matthias Franz Perth (1788-1956), es handelt sich um den Eintrag vom 18. Jänner 1814. Der Theaterwissenschaftler, Judaist und Journalist Andreas Kloner bearbeitet diese Tagebücher im Rahmen eines Projekts (die Originale befinden sich in der Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus) und betreibt dazu eine Website, auf der man nicht nur Details zum Projekt erfährt, sondern auch fortlaufend Tagebucheinträge von Perth serviert bekommt.    

Aus der Projektbeschreibung:
Auf dieser Website werden täglich die persönlichen Erlebnisse eines jungen Wiener Beamten veröffentlicht, die dieser vor genau 200 Jahren erlebt und aufgezeichnet hat. Seine Beobachtungen geben Einblick in das Wiener Alltagsleben des frühen 19. Jahrhunderts und dessen sozialen, kulturellen, politischen, religiösen, topographischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge, Einblick in eine Welt, in der es möglich war, Ludwig van Beethoven und Anton Diabelli live musizieren zu hören, fahrende Kutschen ohne Pferdegespann von der Hofburg in den Prater zu begleiten und hautnah den mehr tanzenden, als tagenden Wiener Kongress und dessen illustren Gäste zu erleben. Und nicht zuletzt offenbart sich das Bild eines jungen Mannes zu Beginn des Wiener Biedermeiers, der mit seinen schriftlich festgehaltenen persönlichen Empfindungen und Empfindlichkeiten sich kaum von einem Menschen des 21. Jahrhunderts unterscheidet.


Einen architekturhistorischen Bezug zu den "aktuellen" Unternehmungen von Perth, nämlich der Vorbereitung einer Laientheateraufführung im erzbischöflichen Palast zu Wiener Neudorf, gibt es auf einer anderen Website zu sehen: Der von dem Kunsthistoriker Christian Opitz betriebene Blog Baudenkmäler in Österreich beschäftigt sich im neuesten Beitrag mit der Geschichte dieses Gebäudes bzw. dem, was davon noch übrig ist.

Freitag, 17. Januar 2014

FOTOSACHE NR. 25: Elefant bei der Arbeit





Ein Elefant beim Arbeiten, und zwar als Lastenzieher bei der Einrichtung des Tierparks Carl Hagenbeck in Stellingen (Hamburg) zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Was es damit auf sich hatte, verrät meine morgige Fotoglosse im Extra der Wiener Zeitung.



Mittwoch, 15. Januar 2014

ANSICHTSSACHE NR. 48: Fotofehler



Fehlerhafte Fotos kennen wohl alle, die jemals eine Kamera benutzt haben. Was als Fehler definiert wird, hängt von ästhetischen, technischen und sozialen Fragen ab, die sich je nach Kontext unterschiedlich stellen. Ein interessantes Phänomen ist, dass speziell beim Gebrauch digitaler Profikameras technische Fehler auftreten können, die unbeabsichtigte und überraschende Bildwirkungen erzeugen. Peter Kainz zeigt solche Bilder noch bis 25. Jänner 2013 in der Wiener Galerie artmark in seiner Ausstellung "Fotofehler".

Hier die Rede von Frauke Kreutler zur Ausstellungseröffnung vergangene Woche:

Peter Kainz ist Lithograf, Offsetmontierer und Fotograf. Er hat ein Masterstudium der Bildwissenschaft und Fotografie an der Universität Krems absolviert und er gehört zu den ersten Fotografen in Österreich, die sich mit der digitalen Fotografie bereits 1995 professionell auseinandersetzten. Daher war er auch von 1995-2008 Lektor für digitale Technologien und Reproduktionstechniken an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Zusammen mit seiner Frau Birgit Kainz betreibt er das Fotoatelier faksimile digital und spezialisierte sich dabei auch schon sehr früh auf die digitale Erfassung von Kunstwerken sowie die Fotografie im Kunst- und Museumsbereich. 

Wenn neben der beruflichen Tätigkeit als Fotograf/in noch Zeit bleibt, beschäftigen sich Peter und Birgit Kainz noch künstlerisch mit dem Medium der Fotografie. Neben ihrer mittlerweile jährlichen künstlerischen Intervention HUMAN gab es bereits 2009 die ersten Fotofehler in Form eines Katalogs zu betrachten.
Der hier kurz skizzierte Lebenslauf als einer der federführenden Spezialisten im Bereich der digitalen Fotografie und die Ausstellung mit dem Titel „Fotofehler“ erscheinen doch etwas gegensätzlich, zeigt doch Peter Kainz Fotos von Verarbeitungsfehlern seiner digitalen Kamera. Nicht Gegenständliches ist zu erkennen wie wir es üblicherweise von Fotografien gewohnt sind. Zu sehen sind bunte Pixel, farbige Flächen, Verwischungen. 


Doch die Geschichte der Fotografie seit ihren Anfängen um 1839 ist auch immer eine Geschichte des Scheiterns, wie der Fotohistoriker Peter Geimer ausführlich beschreibt. Seit den ersten fotografischen Verfahren hatte man es immer mit Materialien zu tun, deren chemische Aktivität weder vorhersehbar noch gänzlich kontrollierbar war. Die Berichte über entstandene „Misserfolge“ bzw. „Fehler“ bringen auch zum Ausdruck, dass bei der Erzeugung des fotografischen Bildes immer mit der Eigendynamik des Instrumentariums zu rechnen ist. 
Das Erstaunen über das misslungene Ergebnis war nicht immer mit der persönlichen Ungeschicklichkeit zu erklären, sondern man führte es auch immer wieder dem Zufall zu. Dem Fehler ist die menschliche Urheberschaft also nicht oder nicht eindeutig anzusehen.

Daniel Kehlmann beschreibt in seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ ein fiktives Treffen zwischen Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humbold, welches vom Erfinder der Fotografie Louis Jacques Mandé Daguerre auf einer Fotoplatte festgehalten wurde:


Und wirklich: Als Humbold noch in derselben Nacht, während Gauß im Nebenzimmer so laut schnarchte, dass man es in der Wohnung hörte, die belichtete Kupferplatte mit einer Lupe untersuchte, erkannte er darauf gar nichts. Und erst nach einer Weile schien ihm ein Gewirr gespenstischer Umrisse darin aufzutauchen, die verschwommene Zeichnung von etwas, das aussah wie eine Landschaft unter Wasser. Mitten darin eine Hand, drei Schuhe, eine Schulter, der Ärmelaufschlag einer Uniform und der untere Teil eines Ohres. Oder doch nicht? Seufzend warf er die Platte aus dem Fenster und hörte sie dumpf auf den Boden des Hofes aufschlagen. Sekunden später hatte er sie, wie alles, was ihm je misslungen war, vergessen.


Kehlmann erfasst das Schicksal der meisten fotografischen Unfälle treffend. Niemand braucht sie, niemand vermisst sie, für Museen sind sie in der Regel nicht von Interesse – außer ein Künstler oder eine Künstlerin hat sie zum Bestandteil seines oder ihres künstlerischen Oeuvres ernannt und ästhetisch umgewertet. So auch Peter Kainz mit seinen „Fotofehlern“. Die Flecken und Pixel können ausschließlich als Fehler bzw. Störungen gesehen werden. Die „Fotofehler“ machen aber gerade in ihrer Fehlerhaftigkeit, in ihrem „Nicht-Funktionieren“ als Fotografie, die Medialität der Fotografie als ein Bild der Technik sichtbar, welche in der fehlerfreien Fotografie unsichtbar geblieben wäre. Gerade im Medium der Fotografie wird vermeintlich die Wirklichkeit abgebildet. Aber erst mit dem Auftreten eines Fehlers wird das Medium selbst, der technische Ablauf dahinter sichtbar und somit die Ambivalenz zwischen Realität und Konstrukt erkennbar.



Dienstag, 14. Januar 2014

FORSCHUNGSSACHE NR. 9: Mode, Konsum und Alltagskultur



Vom 24. bis 26. Oktober 2013 fand in Salzburg eine Tagung zum Thema "Fashion, Consumption and Everyday Culture in the Soviet Union between 1945 and 1985" statt. Nun gibt es auf hsozkult einen Tagungsbericht von Anja Burghardt dazu.


Mittwoch, 8. Januar 2014

ANSICHTSSACHE NR. 47: Glückspilze für 2014




© Trude Lukacsek



Auch heuer gibt es zum neuen Jahr wieder einige von der Wiener Fotografin und Alltagskultursammlerin Trude Lukacsek aufgenommene Glücksbringer: Die Fliegenpilze stammen aus dem Wiener Laaerbergbad (links), aus dem Böhmischen Prater in Wien (Mitte) und vom Minigolfplatz in Bad Hofgastein (rechts).




Montag, 6. Januar 2014

FUNDSACHE NR. 43: Kunstblumen im Wienerwald






Das neue Jahr beginnt mit Blumen: Nach den echt blühenden vom Neujahrstag gibt es heute am Dreikönigstag noch künstlich blühende von einem Marterl im Wienerwald.



Mittwoch, 1. Januar 2014

FUNDSACHE NR. 42: Nicht alltägliche Dinge ...





... an einem Neujahrstag in Wien: blühende Sträucher (wobei es sich hier nicht um Barbarazweige in der warmen Stube handelt)! In diesem Sinne wünsche ich - je nach Bedarf und Vorlieben - ein aufregend nicht alltägliches oder angenehm alltägliches 2014!