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Reklamekalender, 1968 (Archiv Susanne Breuss)
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"Wir wurzeln alle im Alltage.
Seine Gewohnheiten machen für die
meisten schlechthin das Leben aus.
In diesem Alltag, den bloss der unbesonnene
Élegant des Geistes bespöttelt, liegt etwas
sehr Grosses ... liegt unsere Cultur."
Michael Haberlandt: Cultur im Alltag. Wien 1900.
Samstag, 26. März 2016
Mittwoch, 23. März 2016
TERMINSACHE NR. 109: Alltag sammeln (CFP)
Call for papers:
Alltag sammeln. Perspektiven und Potentiale volkskundlicher Sammlungsbestände
Tagung der volkskundlichen Landesstellen der dgv
Termin: 13. - 14. Oktober 2016
Ort: LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn
Ankündigungstext:
Wie sammelt man Alltag? Nicht erst aktuelle Ausstellungskonzepte zur
Repräsentation gegenwärtiger Alltagskultur im Museum stellen
Kulturwissenschaftler vor die Herausforderung der einleitenden Frage.
Materialien jeglicher Art zu unterschiedlichsten Themen historischer wie
rezenter Alltagskultur lagern in Museen, Universitäten, bei privaten
Sammlern und in den so genannten volkskundlichen Landesstellen. Obwohl
im Arbeitsalltag die intensive Auseinandersetzung mit diesen Sammlungen
oft zu kurz kommt, ist das Bewusstsein in den Einrichtungen, hier
„Schätze der Alltagskultur" zu bewahren, groß. Diese Schätze sind
heterogen und oft wenig erschlossen. Für die volkskundlichen
Landesstellen sind es vor allem Fotografien, Umfragematerial zu
Bräuchen und Festen, Archivkästen gefüllt mit Liedern und Geschichten
sowie Tagebücher und Briefe, die Ausschnitte des Lebens einzelner
Personen aufzeigen. Museen bewahren in ihren „volkskundlichen
Sammlungen" von regionaler Kleidung und Möbeln, Arbeitsgeräten bis hin
zu ganzen Werkstatteinrichtungen umfangreiches Material der Alltags- und
Popularkultur auf. Diese Bestände sollen auf ihr Potential zum
Verständnis historischer wie gegenwärtiger Alltagskulturen befragt und
untersucht werden. Dabei soll es um Aspekte des Sammelns ebenso gehen
wie um Fragen der musealen wie archivalischen Repräsentation sowie um
den Umgang mit heterogenen Sammlungsbeständen und ihre Sicherung.
Als Tagung der Gruppe der volkskundlichen Landesstellen in der Deutschen
Gesellschaft für Volkskunde (dgv) soll ein Schwerpunkt auf die hier
vorliegenden Sammlungen gesetzt werden, wobei ausdrücklich Projekte und
Überlegungen zur (disziplinären wie interdisziplinären) Vernetzung
der unterschiedlichen kulturwissenschaftlichen Forschungsinstitutionen
(Museen, Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen)
zur Präsentation und Diskussion eingeladen sind.
Erbeten werden Vortragsvorschläge zu folgenden möglichen Aspekten des
Themas:
ZUR ENTSTEHUNG EINER SAMMLUNG ZUR ALLTAGSKULTUR / SAMMLUNGSGENESEN
Akteure im Kontext des Sammelns (Sammler, Erben, Mitarbeiter),
Institutionen und ihre Sammlungsgeschichte(n) (bitte hier keine
deskriptive Institutionengeschichte)
ALLTAGS-SAMMLUNGEN
Was verstanden und verstehen Sammler und sammelnde Institutionen unter
Alltagskultur? welche Materialien und Immaterialien wurden wie und warum
aufbewahrt? Wie lässt sich der Paradigmenwechsel
volkskundlich-kulturanthropologisch/ethnologischer Forschung (von
„traditioneller Volks"- zur Alltagskultur) in Sammlungen
nachvollziehen? Mit welchen neuen Perspektiven lassen sich „alte"
Sammlungsbestände sinnvoll befragen und/oder vermitteln?
IMMATERIELLES UND MATERIELLES
Bräuche, Rituale, Wissensbestände, Glaubensvorstellungen - die
volkskundlichen Landesstellen haben in ihrer Geschichte einen
Schwerpunkt in die Dokumentation und Erforschung immaterieller
Kulturelemente gelegt; manchmal im Gegensatz und oftmals ergänzend zu
den Materialitäten der volkskundlichen Museen. Mit welchen Mitteln
wurde und wird das Immaterielle materialisiert? (hier ließe sich auch
über die Materialität von Archiven nachdenken, z. B. Zettelkästen,
Archivmappen etc.). Wie wurde und wird Materielles und Immaterielles
verbunden, welche Netzwerke gab und gibt es zwischen Museen und
außermusealen Sammlern und Sammlungen? Welche Perspektiven bieten sich
durch eine solche Vernetzung?
KULTURELLES ERBE: AUFBEWAHREN, WEITERGEBEN, ANALOG UND DIGITAL
Sammlungsbestände der Alltagskultur gehören zum kulturellen Erbe, zum
materiellen wie zum immateriellen. Wie können sich sammelnde und
forschende Institutionen wie die volkskundlichen Landesstellen in den
aktuellen Diskurs um das kulturelle Erbe einbringen, wie diesen Diskurs
als Perspektive nutzen, die eigene Sammlung „in Wert zu setzten"? In
diese Diskussion kann auch die Frage der Digitalisierung und
Online-Zugänglichkeit volkskundlicher Sammlungen gehören - welche
Konzepte und Netzwerke tragen aktuelle und in Planung befindliche
Digitalisierungsprojekte?
AUFRÄUMEN!?
Das Durchsehen von Sammlungen, ihre Reflexion und neue Perspektivierung
führt zu neuen Ordnungskategorien, zu Umstrukturierungen und
Priorisierungen. Dieser Prozess führt auch dazu, auszusortieren, zu
ent-sammeln. Wie gehen Einrichtungen mit heterogenen und oft zufällig
entstandenen Sammlungsbeständen mit dieser Aufgabe um, sich zu trennen,
traditionell „immer Dagewesenes" auszusondern und neue
Sammlungsschwerpunkte zu erschließen?
Wir bitten für die Ausgestaltung dieser Tagung um Zusendung von
Abstracts für Vorträge von 30 Min. Länge. Das Abstract sollte maximal
3.500 Zeichen umfassen sowie ein kurzes cv enthalten. Bitte senden Sie
das Abstract bis zum 30.03.2016 an: Dr. Katrin Bauer, katrin.bauer@lvr.de
LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte
Es ist geplant, die Vorträge zu publizieren.
Samstag, 19. März 2016
FOTOSACHE NR. 64: Reformkleidung
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| Archiv Susanne Breuss |
Heute in meiner Fotoglosse im Extra der Wiener Zeitung: Eine Aufnahme aus dem Jahr 1897 - sie zeigt ein Display in einer Berliner Ausstellung über Reformkleidung (also Kleidung, die nach gesundheitlichen Gesichtspunkten gestaltet war). Laut Medienberichten rümpften einige Damen - an die sich die Ausstellung hauptsächlich richtete - zunächst die Nase, da die ausgestellten Kleidungsstücke nicht so recht dem herrschenden Modegeschmack entsprachen. Nach dem Ausstellungsbesuch scheinen aber viele von der Bequemlichkeit dieser neuartigen Kleider begeistert gewesen zu sein, denn vielfach war zu hören: "Ich reformiere mich jetzt auch".
Freitag, 18. März 2016
ANSICHTSSACHE NR. 87: Dumme Gans?
Im Martinsjahr 2016 zeigt das Burgenländische Landesmuseum in Eisenstadt noch bis 27. November 2016 eine Ausstellung mit dem kecken Titel "Dumme Gans? Eine Kulturgeschichte im Federkleid". Das Fragezeichen weist dabei den Weg: Neben einer Rehabilitierung der sprachlich verunglimpften Tiere geht es vor allem um die besondere Bedeutung der Gans für das Burgenland. Stichworte: Martinigansl, Federnschleißen, Gänselieseln, Wildgänse...
Nähere Infos hier.
Mittwoch, 16. März 2016
Freitag, 4. März 2016
TERMINSACHE NR. 108: Frauen-Sachen - Spezialführung zum Internationalen Frauentag in der Dauerausstellung des Wien Museums
Am Dienstag, den 8. März 2016, biete ich anlässlich des Internationalen Frauentags eine Spezialführung durch die Dauerausstellung des Wien Museums an:
Unter dem Titel "Frauen-Sachen" wird die ständige Präsentation des Museums "quergelesen", im Fokus steht dabei das Alltagsleben von Frauen. Dieses ist zwar kein explizites Thema der Ausstellung, dennoch liefern die Exponate zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine Spurensuche. Behandelt wird der Zeitraum vom späten 18. Jahrhundert bis in die 1920er Jahre, thematisch geht es um die Lebensbereiche Körper und Kleidung, Geburt und Mutterschaft, Arbeit, Freizeit und Konsum. Emanzipationsbestrebungen gab es nicht nur auf der politischen Ebene, sondern auch im Hinblick auf verschiedene alltägliche Lebensbereiche. Außerdem wird der Frage nachgegangen, inwiefern Dinge ein Geschlecht haben, manche etwa als "weiblich" gelten.
Dienstag, 8. März 2016, 16 Uhr
Wien Museum Karlsplatz
nähere Infos hier
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Wien Museum
Donnerstag, 3. März 2016
TERMINSACHE NR. 107: Wie Bilder Dokumente wurden
Am Mittwoch, den 16. März 2016, wird im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien folgendes Buch präsentiert (inkl. Gespräch zum Thema):
Renate Wöhrer (Hg.): Wie Bilder Dokumente wurden. Zur Genealogie dokumentarischer Darstellungspraktiken. Berlin (Kulturverlag Kadmos) 2016.
Nähere Infos zur Veranstaltung hier.
Nähere Infos zum Buch hier.
Aus dem Ankündigungstext:
Die Bezeichnung „dokumentarisch“ für bestimmte visuelle Darstellungsformen erscheint uns heute selbstverständlich, sie ist aber erst seit den späten 1920er Jahren in Gebrauch. Schon zuvor wurden Bilder produziert, die aus gegenwärtiger Perspektive "dokumentarisch" genannt werden, ihre Zeitgenossen verwendeten den Begriff jedoch nicht. Dieser Band geht der Frage nach, wie es zu der Etablierung der Kategorie des Dokumentarischen für Bilder kam. Welche Traditionen und Brüche, welche Praktiken, Denkfiguren und Politiken haben zu dieser Kategorie geführt und sich folglich in sie eingelagert?
Montag, 29. Februar 2016
TERMINSACHE NR. 106: Ethnographies of Objects (CFP)
Vom 6. bis 10. Juni 2016 findet an der Ruhr-Universität Bochum ein von der Mercator Forschungsgruppe "Spaces of Anthropological Knowledge" veranstalteter PhD Workshop zum Thema "Ethnographies of Objects. Descriptive and Analytical Approches in Science & Technology Studies" statt. Bewerbungsschluss ist der 1. April 2016. Nähere Infos hier und hier.
Samstag, 27. Februar 2016
Donnerstag, 25. Februar 2016
FORSCHUNGSSACHE NR. 14: Strümpfe
Im September 2015 fand in Irsee eine Tagung zum Thema "Strümpfe aus Deutschland. Geschichten von Produktion und Konsumtion in Deutschland" statt. Jetzt gibt es auf hsozkult einen Tagungsbericht dazu.
Samstag, 20. Februar 2016
FOTOSACHE NR. 63: Schneebilder
Donnerstag, 18. Februar 2016
DRUCKSACHE NR. 52: Materialisierung von Kultur
2013 fand in Nürnberg der 39. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde statt, er war dem Themenfeld "Materialisierung von Kultur. Diskurse, Dinge, Praktiken" gewidmet. Eine Besprechung des zwischenzeitlich erschienenen Tagungsbandes von Torsten Cress gibt es jetzt auf hsozkult.
Karl Braun/Claus-Marco Dietrich/Treiber, Angela (Hg.): Materialisierung von Kultur. Diskurse, Dinge, Praktiken. Würzburg 2015 (Königshausen & Neumann).
Donnerstag, 11. Februar 2016
FOTOSACHE NR. 62: Südbahnhotel
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| Foto: Matthias Cremer, Quelle |
Eine Fotostrecke von Matthias Cremer zum 1882 eröffneten Südbahnhotel auf dem Semmering gibt es auf derstandard.at.
Weitere Fotos von Yvonne Oswald finden sich auf thegap.at. Ihre Fotos sind auch als Buch erschienen:
Yvonne Oswald: Das Südbahnhotel. Am Zauberberg des Wiener Fin de Siècle, Wien (Metroverlag), 2014. Nähere Infos hier.
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| Foto: Yvonne Oswald, Quelle |
Montag, 8. Februar 2016
TERMINSACHE NR. 105: Materielle Kultur und Perspektiven der Technikgeschichte (CFP)
Vom 15. bis 16. September 2016 findet im Technischen Museum Wien eine Tagung zum Thema "Materielle Kultur und Perspektiven der
Technikgeschichte" statt. Der Fokus richtet sich dabei auf Technikgeschichte als Kulturgeschichte, Akteur/innen sowie neue Zugänge zum musealen Sammeln.
Die Einreichung von Beiträgen ist bis zum 15. Februar 2016 möglich.
Nähere Infos gibt es hier.
Freitag, 5. Februar 2016
Mittwoch, 3. Februar 2016
TERMINSACHE NR. 104: Spezialführung zum Frauentag
Eine Vorankündigung: Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2016 biete ich eine Spezialführung durch die Dauerausstellung des Wien Museums an:
Frauen-Sachen
Eine Spezialführung durch die Dauerausstellung des Wien Museums anlässlich des Internationalen Frauentags
Anhand ausgewählter Exponate wird die Dauerausstellung des Wien Museums „quergelesen“: Weibliches Alltagsleben ist zwar kein explizites Thema der Präsentation, dennoch bieten die ausgestellten Gemälde, Grafiken und kunstgewerblichen Gegenstände zahlreiche Hinweise und Anknüpfungspunkte. Die Führung behandelt den Zeitraum vom späten 18. Jahrhundert bis in die Zwischenkriegszeit und ermöglicht Einblicke in folgende Lebensbereiche: Körper und Kleidung, Geburt und Mutterschaft, Arbeit, Freizeit und Konsum. Außerdem wird der Frage nachgegangen, inwiefern Dinge ein Geschlecht haben, manche etwa als "weiblich" gelten.
Dienstag, 8. März 2016, 16 Uhr
Eine Spezialführung durch die Dauerausstellung des Wien Museums anlässlich des Internationalen Frauentags
Anhand ausgewählter Exponate wird die Dauerausstellung des Wien Museums „quergelesen“: Weibliches Alltagsleben ist zwar kein explizites Thema der Präsentation, dennoch bieten die ausgestellten Gemälde, Grafiken und kunstgewerblichen Gegenstände zahlreiche Hinweise und Anknüpfungspunkte. Die Führung behandelt den Zeitraum vom späten 18. Jahrhundert bis in die Zwischenkriegszeit und ermöglicht Einblicke in folgende Lebensbereiche: Körper und Kleidung, Geburt und Mutterschaft, Arbeit, Freizeit und Konsum. Außerdem wird der Frage nachgegangen, inwiefern Dinge ein Geschlecht haben, manche etwa als "weiblich" gelten.
Dienstag, 8. März 2016, 16 Uhr
Labels:
18. Jahrhundert,
19. Jahrhundert,
20. Jahrhundert,
Ausstellungen,
Frauen,
Gendered Objects,
Geschlecht,
In eigener Sache,
Terminsachen,
Veranstaltungen,
Wien Museum
Samstag, 30. Januar 2016
FOTOSACHE NR. 61: Hirsch als Prunkschlitten
Heute in meiner Fotoglosse im Extra der Wiener Zeitung: Eine Aufnahme aus dem frühen 20. Jahrhundert, die einen Prunkschlitten aus dem Besitz von Friedrich I. von Preußen (1657-1713) zeigt - ein Beispiel für luxuriöse Schlitten im Geist des Manierismus mit einem Korpus in Tierform.
Freitag, 29. Januar 2016
DRUCKSACHE NR. 51: Interieur und Bildtapete
Im Kontext der Gender Studies, Raum-Forschung, Material Studies und Interkulturalitätsforschung untersucht dieser Sammelband Formen der Wohnkultur um 1800:
Katharina Eck/Astrid Silvia Schönhagen (Hg.): Interieur und Bildtapete. Narrative des Wohnens um 1800, Bielefeld 2014 (Transcript).
Eine Besprechung des Bandes von Franziska Schößler gibt es jetzt auf hsozkult.
ANSICHTSSACHE NR. 86: Ein Fotoalbum zur Bewahrung glücklicher Zeiten
| Fotoalbum "Glückliche Zeiten" © Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge Foto: Armin Herrmann (Quelle) |
Das Museum der Dinge in Berlin stellt auf seiner Website jeden Monat ein "Ding des Monats vor. Im Jänner 2016 handelt es sich um dieses hier:
Dieses Fotoalbum entstammt einer Zeit, in der noch jedes Foto mit Bedacht geschossen und feinsäuberlich zwischen Spinnenpapier und akkurater Beschriftung arrangiert wurde.
Ebenso bedächtig wurde mit geduldiger Hand der Schriftzug "Glückliche Zeiten" auf den Deckel des Albums aufgemalt.
Die darin enthaltenen Fotos zeigen Erinnerungen, die den Abgebildeten als Individuum mit Biografie konstituieren. Gleichzeitig sind die auf den Fotos erkennbaren Posen, Motive und Attribute oftmals hochgradig normiert.
Auch ist der Blick zurück meist gnädig – so erinnern die meisten Menschen eher die guten Zeiten.
Donnerstag, 28. Januar 2016
TERMINSACHE NR. 103: Kulturen des Reparierens und die Lebensdauer technischer Dinge (CFP)
Vom 19. bis 20. Jänner 1917 findet in Wuppertal am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschafts- und Technikforschung eine Tagung zum Thema "Kulturen des Reparierens und die Lebensdauer technischer Dinge" statt.
CFP:
Wartung und Reparatur sind Mittel, um die Funktionalität technischer Artefakte und Systeme aufrechtzuerhalten beziehungsweise wiederherzustellen. Beide Praktiken sind ökonomisch und kulturell relevante, aber strukturell unsichtbare Tätigkeiten (Susan Leigh Star). Sie rücken erst in den Blick, wenn man eine Perspektivverschiebung vornimmt: Es gilt, sich in „broken world thinking“ (Steven J. Jackson) zu üben und insgesamt stärker den Bereich der „technology-in-use“ (David Edgerton) zu fokussieren. Wartung und Reparatur leisten einen zentralen Beitrag, um die Lebensdauer von Technik sowie die Stabilität soziokultureller Formationen zu gewährleisten. Beide Praktiken können dabei geplante und wiederkehrende Momente im „Lebenszyklus“ technischer Artefakte und der Aufrechterhaltung soziotechnischer Infrastrukturen sein; oder sie greifen in ungeplanten Momenten, um Störungen verschiedenster Art zu beheben. Das Reparieren kann ferner dazu dienen, ein bereits ans „Lebensende“ gekommenes Produkt oder ein unbrauchbar gewordenes Ding wiederherzustellen und so dessen Lebensdauer zu verlängern. Die in solchen Interventionen mit dem Technischen zum Einsatz kommenden Tätigkeiten und Handwerke unterlagen ebenso einem historischen Wandel wie die Konstruktion der technischen Artefakte als leicht, kaum oder nicht mehr „reparierbar“. Insbesondere seit dem 20. Jahrhundert können Artefakte und Systeme nicht nur technisch verschleißen, sondern auch aus der Mode kommen und so ein vorzeitiges „Lebensende“ erreichen. Wartung und Reparatur, also das Erkennen, Bearbeiten und Beheben technischer Probleme und Schwachstellen, finden auf dem von Kevin Borg sogenannten „middle ground“ zwischen den Bereichen der Produktion und der Konsumtion statt. Während diese beiden Bereiche bereits vielfältiges Interesse in der Technikgeschichte, -soziologie und -anthropologie und Kulturwissenschaft gefunden haben, sind Wartung und Reparatur bislang wenig untersuchte Phasen im „Leben“ technischer Dinge und Infrastrukturen.
Der Workshop „Kulturen des Reparierens und die Lebensdauer technischer Dinge“ setzt hier an und möchte das Reparieren als soziale Praxis stärker in den Blick nehmen. Uns interessieren dabei gleichermaßen professionelle wie Amateurpraktiken, industrielle wie häusliche Settings, historische wie zeitgenössische Fallstudien.
Wir schlagen zur Strukturierung des Workshops drei Themencluster vor:
1. Die Epistemologie des Reparierens: Hier stehen Fragen nach dem Reparaturwissen im Vordergrund. Generieren Praktiken des Reparierens spezielle Wissensbestände und Wissensformen? Sehen, hören, fühlen Reparateure anders als Designer, Produzenten und Konsumenten von Technik? Welche Skills erfordert das Reparieren, wie lernt man zu reparieren und wie kann man Reparieren lehren? Wie hängen Reparaturwissen, Hierarchien und Machtstrukturen zusammen? Und was bedeutet es für das technische Wissen, wenn reparierende Eingriffe in technische Artefakte durch Design mitgestaltet oder auch verhindert werden?
2. Die Akteure des Reparierens: Welche Akteure, Gruppen und Gemeinschaften sind in die Reparatur technischer Dinge involviert? Gibt es historisch unterschiedliche Kulturtechniken des Reparierens? Wie stabilisiert Reparaturarbeit soziotechnische Infrastrukturen? Inwiefern zeigen sich Störungen, Pannen und sonstige Unterbrechungen zugleich als Störungen zwischen Nutzern und Technik und damit nicht nur auf die Reparatur technischer Artefakte bezogen, sondern gleichermaßen auf die Reparatur der (gestörten) Beziehung zwischen Mensch und Technik? Ist Reparieren dann als eine spezifische Form der Mediation oder der Sorgearbeit zu verstehen und welche geschlechtlichen Differenzen lassen sich möglicherweise antreffen?
3. Die Politik der Reparatur: Wie hängen Nachhaltigkeit, Reparaturfreundlichkeit und die mögliche Lebensdauer technischer Artefakte zusammen? Welche Effekte generieren die strukturelle Unsichtbarkeit und führen damit zum niedrigen Sozialstatus des Reparierens? Welches emanzipatorische Potential steckt in Praktiken des Selbst-Reparierens, wie sie beispielsweise in Reparaturcafés aus- und eingeübt werden? Welchen Beitrag können Praktiken des Reparierens oder ein reparaturfreundliches Design zum Aufbau einer nachhaltigen Gesellschaft leisten? Inwiefern erfordert eine stärkere Anerkennung des Reparierens eine Revalorisierung von Dinglichkeit?
Wir erbitten Vorschläge für Vorträge (30 Minuten) bis zum 8. April 2016. Bitte senden Sie Ihren Abstract (max. 350 Wörter) sowie einen kurzen CV an: stefan.krebs@uni.lu
Den angenommenen TeilnehmerInnen können Reise- und Unterkunftskosten erstattet werden. Der Workshop selbst basiert auf zuvor zirkulierten Arbeitspapieren (10-15 Seiten), die bis zum 18. November 2016 einzureichen sind. Sie werden von den AutorInnen kurz präsentiert und dann gemeinsam diskutiert. Als Ergebnis ist eine interdisziplinäre, innovative Veröffentlichung zu den Kulturen des Reparierens geplant.
Am 19. Januar 2017 wird Daniela K. Rosner (University of Washington) im Rahmen des Workshops einen Abendvortrag halten.
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