"Wir wurzeln alle im Alltage.
Seine Gewohnheiten machen für die
meisten schlechthin das Leben aus.
In diesem Alltag, den bloss der unbesonnene
Élegant des Geistes bespöttelt, liegt etwas
sehr Grosses ... liegt unsere Cultur."
Michael Haberlandt: Cultur im Alltag. Wien 1900.



Samstag, 31. August 2013

SACHKUNDE NR. 2: Sophie Gerber über ein Objekt des Energiekonsums aus den 1970er Jahren



Die beiden Objekte, die auf diesem Plakat des Deutschen Museums in München abgebildet sind, geben Rätsel auf. Das Ding rechts oben ist noch einigermaßen als historischer Fön zu erkennen, nicht zuletzt wegen der Aufschrift, aber um was handelt es sich beim unteren mit dem transparenten Kunststoffgehäuse? Die Ausstellung "Kabelsalat. Energiekonsum im Haushalt", in der diese Objekte zu sehen waren, ist schon länger geschlossen, doch die Objektforschung ging weiter. Eine der Kuratorinnen der Ausstellung, die Historikerin, Kultur- und Sozialanthropologin Sophie Gerber, hat sich nicht nur im Rahmen eines Forschungsprojektes mit dem Titel "Küche, Kühlschrank, Kilowatt. Zum Bedeutungswandel privaten Energiekonsums im 20. Jahrhundert" (Teilprojekt des BMBF-Projekts "Objekte des Energiekonsums"), sondern auch in ihrer kürzlich fertig gestellten Dissertation mit der Frage beschäftigt, wie solche Energie verbrauchenden Objekte in den vergangenen Jahrzehnten zu dem heute üblichen hohen Energiekonsum geführt haben. Ihr Schwerpunkt lag dabei auf Haushaltsgeräten und sie führte im Kontext konsum- und umwelthistorischer Fragestellungen auch konkrete technikhistorische Objektstudien durch. 
Für diesen Blog lüftet sie das "Geheimnis" des durchsichtigen Plastikgegenstands - es handelt sich um den Luftbefeuchter-Zerstäuber „Defensor 505“ der Defensor AG Zürich aus dem Jahr 1973 (er befindet sich in den Sammlungen des Deutschen Museums) - und beschreibt dessen Geschichte und Bedeutung:

Was mag an einem großen, runden Gerät aus Plastik, das sich als Luftbefeuchter entpuppt, interessant sein? Für eine Sonderausstellung des BMBF-Projekts „Objekte des Energiekonsums“ 2012 begaben wir uns in der Datenbank und im Depot des Deutschen Museums München auf die Suche nach einem Objekt, das etwas über die Geschichte des privaten Energiekonsums der „langen 1960er Jahre“ erzählen konnte – einer der Schwerpunkte der Ausstellung „Kabelsalat“. Unser Interesse weckte der Luftbefeuchtungsapparat „Defensor 505“ zunächst wegen seiner skurrilen Erscheinung. Die Form und das Material, durchsichtiges Plastik, lassen zudem Assoziationen zu Futuristischem zu und verleihen ihm Ähnlichkeit mit einem UFO. Aufgrund seines besonderen Aussehens wurde der „Defensor“ auch zum Blickfang auf dem Plakat und Katalog der Ausstellung „Kabelsalat. Energiekonsum im Haushalt“. Auf dem Ausstellungsplakat zu „Kabelsalat“ wurde er auch als vermeintliche Zitronenpresse erkannt. Dabei sind die Maße des Gerätes deutlich größer. Aufgrund seiner Größe dürfte der „Defensor“ vor allem für die Regelung der Luftfeuchte in größeren Räumen zweckmäßig gewesen sein.

Anders als die Erfindung der Klimaanlage ist der Ursprung von Geräten zur Regelung der Luftfeuchte in Räumen allerdings kaum dokumentiert. Bekannt ist lediglich, dass 1903 ein gewisser Charles E. Whitmore ein Patent für ein Gerät zur Gewährleistung stabiler Luftfeuchte zur Aufbewahrung von Zigarren und Tabak anmeldete. 1973 wurde ein Luftbefeuchter von einem Herrn Wunderlin in den USA patentiert – aus demselben Jahr stammt auch der „Defensor“. Ältere Zerstäuber bestanden meist aus einer Art Ventilator, der Wasser aus einem Behälter gegen ein feinmaschiges Sieb schleuderte und auf diese Art und Weise Wassernebel erzeugte. Heute kommen vor allem Druckpumpen und Ultraschall zum Befeuchten von Luft zum Einsatz. Im Gegensatz zu sogenannten Verdunstern, die mit Wasser gefüllt beispielsweise an einem Heizkörper angebracht werden und durch das Erhitzen von Wasser passiv die Luft befeuchten, haben Verdampfer wie der „Defensor“ einen relativ hohen Energieverbrauch.

Geräte, die das Raumklima elektrisch regeln, spielen auch in meiner Dissertation, die sich mit der Geschichte des (steigenden) Elektrizitätskonsums während des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt, eine Rolle. Schließlich trugen sie nicht unwesentlich zum steigenden Stromverbrauch während der letzten rund 60 Jahre bei. Etliche kleine und große Geräte zum Heizen, Kühlen, Befeuchten und Reinigen der Raumluft waren ab den späten 1950er Jahren vermehrt auf den Markt gekommen. Da immer mehr Haushalte mit Kühlschrank und Elektroherd ausgestattet waren, begab sich die Hausgeräteindustrie auf die Suche nach neuen Absatzmärkten. Auch ein leichter Konjunktureinbruch 1966/67 in der Bundesrepublik Deutschland veranlasste die Hausgeräteproduzenten, neuartige Geschäftssegmente zu erkunden. Zunehmend beachtet wurden Klimageräte aller Art, die zuvor lediglich für die oberen Schichten erschwinglich waren. Dazu gehörten neben Luftbefeuchtern und Tischventilatoren auch Rauchverzehrer – Figuren aus Porzellan mit integrierter Lichtquelle, deren Wärmeentwicklung half, den Geruch eines duftenden Öls im Raum zu verteilen.

Beworben wurden Luftbefeuchter, Ventilatoren und Heizlüfter nicht nur mit den Komfortvorteilen eines konstanten Raumklimas. Neben der gebotenen Behaglichkeit war auch der Hygiene- und Gesundheitsaspekt ein wichtiges Verkaufsargument. Denn, so hieß es von Seiten des Herstellers, schlechte Luft führe zu „Unbehagen und beeinträchtigt die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers gegen die in der Raumluft stets vorhandenen Bazillen“. Durch die Benebelung trockener Luft in geheizten Räumen sollte auch der Luftbefeuchtungsapparat „Defensor 505“ dem entgegen wirken. Zusätzlich konnte der spezielle Wirkstoff „DEFENSOL-EP“ versprüht werden, der durch Eukalyptus- und Pinienöl Linderung bei Atemwegserkrankungen und „Heizungskrankheiten“ versprach. Auch für den Schutz gegen „Schäden an Möbeln, Klavieren und Zimmerpflanzen“ wurde der Apparat beworben. Pro Stunde konnte ein halber Liter Wasser nach dem „Aerosol-Prinzip“ im Raum versprüht werden; die Verdunstung von drei Litern Wasser am Tag wurde empfohlen.

Die vermehrte Ausstattung mit diesen beliebten Geräten führte zu einem weiteren Anstieg privaten Energieverbrauchs, sodass der „Spiegel“ 1973 sogar von einem Zusammenbruch der Münchner Stromversorgung berichtete, als zu viele Heizlüfter und Radiatoren gleichzeitig angeschaltet wurden. Auch in der Nähe des baden-württembergischen Esslingen wurde von einem Stromausfall in mehreren Dörfern berichtet, als zu viele Heizgeräte zur gleichen Zeit in Betrieb genommen wurden. Private Haushalte verbrauchten bereits zu dieser Zeit ein Fünftel der deutschen Stromerzeugung. Auch elektrische Nachtspeicheröfen erfreuten sich bei Stromproduzenten, Hauseigentümern und Verbrauchern während der 1960er Jahre steigender Beliebtheit. Doch der hohe Stromverbrauch von Nachtspeicherheizung und Co. geriet während der 1970er Jahre letztlich zunehmend in Kritik.

So wurde der Luftbefeuchter in der Ausstellung „Kabelsalat“ zum Mittelpunkt einer Vitrine, die von der sich etablierenden „Hochenergiegesellschaft“ der 1960er Jahre erzählte. Komfortansprüche, zu denen auch ein gleichbleibendes Raumklima zählte, stiegen und festigten sich. In der Regel waren sie mit hohem Energieverbrauch eng verknüpft. Von den Besucherinnen und Besuchern hinterfragt wurden oft der Zweck und die Notwendigkeit eines solchen Gerätes. Heute finden sich nur selten Luftbefeuchter in Privathaushalten und die Beliebtheit von Klimageräten – abgesehen von der Heizung – ist aus ökologischen Gründen zurückgegangen.




Sophie Gerber:


seit April 2013 Kongressassistentin am Institut für Philosophie der Universität Wien 
seit Mai 2009 Doktorandin am Fachgebiet Technikgeschichte (bis 2010: Zentralinstitut für Geschichte der Technik) und bis Juli 2012 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Rahmen des BMBF-Projekts „Objekte des Energiekonsums“
 

Ausgewählte Publikationen: 

Kabelsalat. Energiekonsum im Haushalt. München: Deutsches Museum, 2012. (mit Nina Möllers und Nina Lorkowski)
 

Nina Möllers, Karin Zachmann, eds., Past and Present Energy Societies. How Energy Connects Politics, Technologies and Cultures. Bielefeld: transcript, 2012.

Küche, Kühlschrank, Kilowatt. Zur Geschichte des privaten Energiekonsums 1945-1990. Unveröffentlichte Dissertation, Technische Universität München (Publikation folgt voraussichtlich 2014).

Freitag, 30. August 2013

ANSICHTSSACHE NR. 37: Window Shopping II



Ebenfalls auf der Website des Wien Museums gibt es nun fotografische Ansichten der Sonder-Ausstellungen zu sehen - jene zu "Window Shopping. Eine Fotogeschichte des Schaufensters" finden sich hier.


Donnerstag, 29. August 2013

DRUCKSACHE NR. 22: Window Shopping I




Die Stadtexpedition "Orte des Konsums. Historische Warenhäuser und Geschäfte in der Innenstadt" wurde ursprünglich im Rahmen der von mir kuratierten Ausstellung "Window Shopping. Eine Fotogeschichte des Schaufensters" (zu sehen 2010/2011 im Wien Museum Karlsplatz) entwickelt. Den im Metroverlag erschienenen Katalog dazu kann man seit kurzem - so wie auch die anderen Ausstellungskataloge - auf der Website des Wien Museums durchblättern (jeweils in einer Kurzansicht mit dem Inhaltsverzeichnis und den ersten paar Seiten).

Susanne Breuss: Window Shopping. Eine Fotogeschichte des Schaufensters (= Ausstellungskatalog des Wien Museums). Wien 2010. 


Dienstag, 27. August 2013

TERMINSACHE NR. 39: Orte des Konsums. Historische Warenhäuser und Geschäfte in der Innenstadt - Eine Wiener Stadtexpedition


Warenhaus Neumann, um 1906 
© Archiv Susanne Breuss


Im Herbst gibt es wieder die von mir und Andreas Nierhaus gemeinsam durchgeführte Stadtexpedition (= eine Veranstaltungsreihe des Wien Museums) zum Thema "Orte des Konsums. Historische Warenhäuser und Geschäfte in der Innenstadt". Die Route beginnt in der Kärntner Straße und endet in der Herrengasse, sie führt entlang von konsum- und architekturhistorisch interessanten baulichen Manifestationen des Wiener Handels. Unter anderem geht es um die Entwicklung und Bedeutung des Schaufensters für die moderne Konsumkultur, um spezielle Wiener Eigenheiten in der Handelsstruktur und Geschäftsarchitektur und um die Frage, was es bedeutet, wenn ein Industrieller gegenüber der Stephanskirche einen Konsumtempel hinstellt.     

Freitag, 22. November 2013
16 Uhr (Dauer: etwa 2-2,5 Stunden)
Treffpunkt: Kärntner Straße 26 (vor Firma Lobmeyr), 1010 Wien
Kosten: EUR 10,-
Beschränkte Teilnehmerzahl, Anmeldung unbedingt erforderlich:
service@wienmuseum.at oder (+43-1)505 87 47-85173 (Mo bis Fr, 9-13)
Die Stadtexpedition findet bei jedem Wetter statt!

Zur Abbildung:
Das nach Plänen von Otto Wagner erbaute Warenhaus Neumann auf der Kärntner Straße Nr. 19 war auf Herren- und Knabenkonfektion spezialisiert. Als der Neubau 1896 eröffnet wurde, betonte man den "weltstädtischen Charakter des Etablissements" wie er "großstädtischer nicht gedacht" werden könne - ein Beleg dafür, wie sehr Warenhausbauten als Signifikanten moderner Urbanität wahrgenommen wurden. Die Zeitgenoss/inn/en waren speziell von den imposanten Auslagen beeindruckt. Auch die elektrische Beleuchtung, die in der Dunkelheit "ein Wunderwerk von geradezu fascinierender Wirkung" bot, galt - in einer Zeit, in der es in der Nacht noch vergleichsweise dunkel und elektrisches Licht im öffentlichen Raum noch neu und selten war - als Sensation und Sehenswürdigkeit.
Nach Kriegsschäden wurde der Bau 1949 abgerissen, heute befindet sich dort das Kaufhaus Steffl. 


Montag, 26. August 2013

TERMINSACHE NR. 38: Fremde Dinge


Tagung:

Präsenz und Evidenz fremder Dinge im Europa des 18. Jahrhunderts
Deutsche Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts
09.09.2013-11.09.2013, Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek
Internationale Tagung unter der Leitung von Prof. Dr. Birgit Neumann (Universität Passau) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts (DGEJ) und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Universität Passau und der DGEJ


Ankündigungstext:
Die Modernisierungsprozesse des 18. Jahrhunderts fallen zusammen mit dem
Beginn der Konsumgesellschaft, deren vielleicht wichtigstes Merkmal die größere Präsenz fremder Dinge in fast allen gesellschaftlichen Bereichen ist. Die Fülle fremder Dinge, vor allem die von Reisen mitgebrachten Exotika, machte die Schaffung neuartiger Ordnungen des Wissens notwendig. Denn der Transfer fremder Dinge ist angewiesen auf Akte der kreativen Aneignung, Zur-Schau-Stellung und symbolischen Präsentation, also auf Formen des Präsentmachens, die auf den epistemischen Überschuss des Dinges verweisen. Was präsent ist, soll greifbar sein, durch konkrete Anschaulichkeit faszinieren und auf menschliches Begehren und (implizites) Wissen einwirken.
Ziel der Tagung ist es, Strategien des Präsentmachens fremder Dinge in zentralen gesellschaftlichen Bereichen des 18. Jahrhunderts - Zeitalter der Aufklärung, des Konsums, der Empfindsamkeit und der imperialen Expansion - zu rekonstruieren und auf ihre Bedeutungen für die Produktion von Evidenz hin zu befragen. Geläufige Konzepte der Aufklärung gehen von einer Trennung von Subjekt und Geist auf der einen Seite und Materie auf der anderen Seite aus. Die interdisziplinäre Perspektive der Tagung betont hingegen das Zusammenspiel von Dingen, Wissen und Subjekten und bietet daher vielfältige Ansatzpunkte, um bestehende Aufklärungskonzepte kritisch zu hinterfragen.
Auf der Tagung werden international führende Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammenkommen, um in einen Dialog über das Wissen der fremden Dinge im 18. Jahrhundert zu treten.


Quelle: hsozkult
Tagungsprogramm


Donnerstag, 22. August 2013

DRUCKSACHE NR. 21: Riesenzigarre über Wien - der Besuch des Zeppelins als Massenspektakel



Noch einmal der Zeppelin, einige Jahre später wie die wunderbare Zeppelin-Handtasche aus dem Historischen Museum Frankfurt, Schauplatz ist dieses Mal Wien: 
Am 12. Juli 1931 kam das Luftschiff "LZ 127 Graf Zeppelin" auf Besuch und sorgte damit für ein medial ausgiebig gewürdigtes Großereignis. Bereits im Vorfeld wurde über einen "Aufmarsch der Zuschauerarmeen" spekuliert und die Zeitungen und der Rundfunk brachten alle möglichen Tipps und Hinweise zur persönlichen Planung des Tages. Die Popularität der Zeppelin-Luftschiffe war enorm, sie faszinierten breite Bevölkerungsschichten. Kein Wunder also, dass auch zahlreiche Wienerinnen und Wiener auf den Beinen waren, um den Zeppelin auf dem Asperner Flughafen aus der Nähe zu erleben. 

Bereits im Jahr nach seiner Eröffnung war der 1912 gegründete und 1977 geschlossene Flughafen Aspern Schauplatz der Zeppelin-Begeisterung gewesen, als das Luftschiff "Sachsen" mit seinem Erbauer Zeppelin persönlich an Bord vor einer riesigen Menschenmenge landete. Das bis dahin größte Nachfolgemodell "LZ 127 Graf Zeppelin", das bis heute als das erfolgreichste Luftschiff aller Zeiten gilt, konnte man in Wien erstmals im Mai 1929 bestaunen. Allerdings nur von unten, da es damals nicht landete. Der ausgedehntere Besuch des "LZ 127" im Juli 1931 war als Dank für die österreichische Beteiligung an einer Sammelaktion zur Finanzierung seines Baus gedacht. Das Gefährt - von manchen als "Riesenzigarre" bezeichnet - wurde 1928 fertig gestellt und hatte die beachtlichen Ausmaße von 236,6 Metern Länge und 30,5 Metern Durchmesser. Ausgestattet war es unter anderem mit Tages- und Schlafräumen, Toiletten und Waschräumen sowie einer elektrischen Küche. Berühmt wurde es vor allem durch seine Fernreisen, zu denen die Weltumrundung von 1929 zählte oder die kurz nach dem Wien-Besuch 1931 gestartete Forschungsfahrt in die Arktis. 

Der Zeppelin-Besuch in Wien wurde als Massenspektakel mit politischer Schlagseite inszeniert, die Berichterstattung der Medien besaß zum Teil eine ausgeprägt deutsch-nationale Diktion, gespickt mit Anschluss-Phantasien. Das Ereignis war natürlich auch bestens zur Geschäftemacherei geeignet. Neben den Fahr- und Parkplatzkosten fielen Eintritts- und Verpflegungskosten an, was sich angesichts der damaligen wirtschaftlichen Verhältnisse viele gar nicht leisten konnten. Für den Normalbürger völlig unerschwinglich war ein Rundflug mit dem Zeppelin, der mindestens 700 Schilling kostete. Verpflegungsmöglichkeiten gab es vor Ort an 25 Buschenschenken und im Flughafenrestaurant, das 30.000 Flaschen Bier, 30.000 Liter Fassbier und 20.000 Kracherln sowie zwei Zentner Gulaschfleisch und 2000 Kilogramm Wurstwaren bereit hielt.


Mehr zum Wiener "Zeppelin-Sonntag" von 1931 gibt es hier: 

Susanne Breuss: Riesenzigarre über Wien. Der Besuch des Luftschiffes „LZ 127 Graf Zeppelin“ vor 75 Jahren war ein Massenspektakel und Medienereignis, in: Wiener Zeitung Extra, 8.7.2006, S. 9. 


Donnerstag, 15. August 2013

ANSICHTSSACHE NR. 36: Zeppelin-Handtasche




historisches museum frankfurt: Zeppelin-Handtasche
© Historisches Museum Frankfurt


Eine Handtasche in Zeppelin-Form: Was es damit auf sich hat und welche Bedeutung diese Tasche für die Geschichte der Stadt Frankfurt besitzt, verrät der Blog des Historischen Museums Frankfurt. Die Praktikantin Eliska Pekarkova hat dieses Objekt für die derzeit in Arbeit befindliche künftige Dauerausstellung "Frankfurt Einst?" näher untersucht und seine historischen Hintergründe recherchiert.


Donnerstag, 8. August 2013

FUNDSACHE NR. 27: Wunscherfüllung aus dem Kühlschrank







"Kühl und köstlich" - das verspricht die Rezeptsammlung für den Sigma-Frigo-Therm-Kühlschrank aus den 1950er Jahren. Sie stammt aus einer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat:

Der Herr des Hauses wünscht einen Eiskaffee? Machen sie ihm die Freude und kochen Sie mit 1 Liter Wasser einen sehr starken Kaffee, den Sie kalt werden lassen. Inzwischen bereiten Sie Vanilleeis, füllen es  - gut steif - in Becher, gießen den Kaffe darüber und verzieren mit Schlagsahne. Den Strohhalm nicht vergessen.