"Wir wurzeln alle im Alltage.
Seine Gewohnheiten machen für die
meisten schlechthin das Leben aus.
In diesem Alltag, den bloss der unbesonnene
Élegant des Geistes bespöttelt, liegt etwas
sehr Grosses ... liegt unsere Cultur."
Michael Haberlandt: Cultur im Alltag. Wien 1900.



Donnerstag, 3. Januar 2013

TERMINSACHE NR. 8: Weihnachtsgeschenke tauschen



Am 13. Jänner 2013 können Besucher/innen des Österreichischen Museums für Volkskunde von 11 - 15 Uhr mitgebrachte Weihnachtsgeschenke eintauschen. Nora Witzmann, Kuratorin der Ausstellung "Weihnachten - noch Fragen?" wird die Tauschbörse begleiten.


Mittwoch, 2. Januar 2013

TERMINSACHE NR. 7: Anton Tantner über Adressbüros in der Frühen Neuzeit

Vortrag:
Anton Tantner: Suchen und Finden im analogen Zeitalter. Adressbüros im Europa der Frühen Neuzeit
Montag, 7. Jänner 2013, 18 Uhr c.t.
IFK, Wien 

Ankündigungstext: 
"Immer verworrener, unübersichtlicher und chaotischer werden die Städte in der Frühen Neuzeit. Wie da eine Wohnung finden, Arbeit oder eine Verkaufsgelegenheit für das Familiensilber? Zum Glück gibt es Adressbüros, die dafür sorgen, dass alle an die richtige Adresse geraten. Sie dienen gleichzeitig der Immobilien- und Arbeitsvermittlung, dem Informationsaustausch und der Kreditvergabe, geben Anzeigenblätter heraus, veranstalten zuweilen öffentliche Vorträge und übernehmen Botendienste. Die erste dieser Einrichtungen, das 1630 vom Arzt Théophraste Renaudot in Paris gegründete 'Bureau d’adresse', sollte zum Vorbild für eine Reihe ähnlicher Anstalten in London, Wien, Berlin und vielen anderen Städten werden. Mit ihrer registerbasierten Vermittlungstätigkeit können Adressbüros als Wegbereiter der Medialisierung zwischenmenschlicher Beziehungen sowie als Agenten der Informatisierung betrachtet werden; sie ermöglichten es zumindest partiell, Informationen unabhängig von den konkreten Subjekten nutzen zu können. Weiters agierten sie – ähnlich wie heutige Internet-Suchmaschinen – in einem Spannungsfeld zwischen Geheimhaltung und der Übernahme obrigkeitlicher Kontrollaufgaben; die Frage des Datenschutzes wurde somit schon in der Vormoderne virulent."

Links:
Website IFK
Website Anton Tantner 
Projektbeschreibung  

Dienstag, 1. Januar 2013

ANSICHTSSACHE NR. 7: Ausstellungen im Stift Altenburg (= Beitrag für die Ausstellungs-Blog-Parade des Historischen Museums Frankfurt)




Das neue Jahr beginnt (wohl typisch für historisch arbeitende Menschen...) mit einem Rückblick auf das alte! 
Am 10. Dezember 2012 rief Nina Gorgus auf dem Blog des Historischen Museums Frankfurt zur „Blogparade“ auf - mit dem Ziel, die spannendsten Ausstellungen des Jahres 2012 zu ermitteln (Aufruf).
Hier mein Beitrag dazu:

Ein Highlight des Jahres 2012 war für mich eine Ausstellung, in die ich zunächst eher zufällig und unfreiwillig hineingeraten bin, die mich dafür aber umso schneller das Staunen lehrte. Nämlich darüber, wie interessant kunsthistorische Ausstellungen über die präsentierten Kunstwerke hinaus sein können, wenn man sich nicht damit begnügt, „einfach nur“ Bilder zu zeigen. Die Ausstellung, die ich hier rühmen möchte, bot für mich völlig unerwartet sehr spannende und aufschlussreiche Einblicke in ein Themenfeld, das mich speziell interessiert: Historisches Alltagsleben.

Ein Ausflug brachte mich vergangenes Jahr in das niederösterreichische Altenburg – auf dem Programm standen ein Spaziergang und eine Stiftsbesichtigung. Es war ein Zufall, dass im Stift gerade eine Ausstellung mit dem Titel „Troger: blau ist keine Kunst“ zu besichtigen war, und meine Lust, mich so ausführlich mit Barockmalerei zu beschäftigen, hielt sich an diesem Nachmittag eigentlich eher in Grenzen. Umso größer war dann die Überraschung, als sich herausstellte, dass es sich dabei um eine vom Konzept her sehr ambitionierte Ausstellung handelte, die auf eine keineswegs übliche Weise Kunst und historischen Kontext miteinander in Bezug setzte und dabei verschiedenen Aspekten des Alltagslebens breiten Raum gewährte.

Am 20. Juli 2012 jährte sich der Todestag des Malers Paul Troger zum 250. mal – ein Anlass für das Benediktinerkloster Stift Altenburg, Werk und Leben des Barockmalers mit einer Ausstellung zu würdigen (Laufzeit: 1. Mai bis 28. Oktober 2012). Der Ausstellungsort lag insofern nahe, als der aus dem Südtiroler Pustertal gebürtige Maler im Stift Altenburg zehn Fresken und zahlreiche Ölbilder, darunter das Hochaltarbild der Stiftskirche geschaffen hat. 
Kuratiert wurde die Ausstellung von Andreas Gamerith. Der 1980 in Niederösterreich geborene Kunsthistoriker ist nicht nur aufgrund seiner Forschungsschwerpunkte ein Troger-Kenner, sondern auch infolge seiner Biografie, konnte er sich doch bereits als Kind und als Sängerknabe im Stift Altenburg mit den Bildern des berühmten Malers ebenso vertraut machen wie mit der klösterlichen Kultur. Dieses langjährige und intensive Eintauchen in die Welt des 18. Jahrhunderts war der Ausstellung anzumerken. Der Kurator verstand es dabei vortrefflich, seine Begeisterung und sein Wissen auch einem Nicht-Fachpublikum zu vermitteln - keine Spur von abgehobener Expertentümelei und keine Spur von oberflächlicher Volkstümelei!

Die Ausstellung machte nicht nur Leben und Werk Paul Trogers lebendig und nachvollziehbar, sondern bot auch höchst interessante Einblicke in den Alltag eines Malers zur damaligen Zeit (so wurden etwa Maltechniken und Farben – natürlich ging es auch um das im Ausstellungstitel genannte Blau – ebenso thematisiert wie wirtschaftliche Aspekte).
Außerdem wurden immer wieder größere sozial- und alltagshistorische Zusammenhänge hergestellt. So war zum Beispiel ein Kapitel dem Thema Wein gewidmet, da in der Entlohnung Trogers für seine Werke neben Geld auch Wein eine große Rolle spielte (bei seinem Tod beliefen sich seine Weinvorräte auf ca. 3.000 Liter). Dieses Faktum war Ausgangspunkt für einen Exkurs zur Bedeutung des Weins im 18. Jahrhundert, wo er nicht nur ein Genussmittel, sondern auch ein Ersatz für das oft minderwertige Trinkwasser war. Dem Geldwert der von Troger bezogenen Weindeputate wurden in der Ausstellung auf pointierte und anschauliche Weise (siehe die Fotos unten) die Einnahmen unterschiedlicher Berufsgruppen und die Höhen verschiedener Aufwendungen (von Gebrauchsgütern über die lebendige Einbringung von Räubern bis hin zu den Subsidienzahlungen Frankreichs an die habsburgischen Verbündeten) gegenüber gestellt.
  


Ein Kuchlmensch (= Küchengehilfin) 
mit  Angabe des Jahreseinkommens



Verschiedene "Ausgabenpakete" mit Wertangaben, 
vom Weihrauch bis zur Subsidienzahlung
 

Über diese Troger-Ausstellung hinaus war das Stift Altenburg ganz generell museologisch besonders interessant: Im Rahmen einer seit 2001 vorgenommenen Generalsanierung wurde die denkmalgeschützte historische Bausubstanz für einen zeitgemäßen Museumsbetrieb adaptiert (Architektur: Jabornegg & Pálffy), wobei unter anderem die archäologischen Ausgrabungen auf der Altane überdacht und zugänglich gemacht wurden. Dabei handelt es sich um ein sehr gelungenes Beispiel für das Zusammenspiel von baulichen Relikten und moderner Ausstellungsarchitektur, und zwar sowohl in ästhetischer Hinsicht als auch den Nutzwert betreffend. Es erfreut wirklich ungemein, an einem touristisch bedeutsamen Ort einmal nicht die so verbreitete plumpe und vermeintlich (oder tatsächlich?) vom breiten Publikum gewünschte Event- und Erlebnisarchitektur anzutreffen - dafür ist nicht nur den Architekten, sondern ganz besonders den Verantwortlichen im Stift Altenburg zu danken!

Links:
Liesbeth Waechter-Böhm über die Architektur von Jabornegg & Pálffy



Ausstellungsarchitektur von Jabornegg & Pálffy



Montag, 31. Dezember 2012

FOTOSACHE NR. 4: Bleigießen


© Archiv Susanne Breuss

Drei Frauen in der Küche: ein alltäglicher Anblick. Aber für die meisten eben zu alltäglich, um für das Familienalbum fotografiert und der Nachwelt überliefert zu werden. Es braucht schon einen besonderen Anlass, um eine solche Szene fotowürdig erscheinen zu lassen. Diese in ein dickes Album eingeklebte Fotografie ist mit der Bildunterschrift „Bleigießen – Sylvester 1967“ versehen.
Als Silvester – die weit verbreitete Schreibweise Sylvester ist falsch – wird im westlichen Sprachraum bekanntlich der 31. Dezember bezeichnet. 1582 wurde der letzte Tag des Jahres vom 25. auf den 31. Dezember verlegt, auf den Todestag des Papstes Silvester I. 

Der letzte Tag des Jahres ist kein gewöhnlicher Tag und durch eine Vielzahl von zum Teil traditionsreichen Bräuchen und Ritualen geprägt. Die Übergangssituation vom alten ins neue Jahr provoziert nicht nur Rückblicke, sondern auch Vorschauen. Der Orakelbrauch des Bleigießens ist Ausdruck der Neugierde auf das, was das kommende Jahr wohl bringen mag.
In einem Haushaltsratgeber aus dem Jahr 1965 findet sich eine Anleitung für das Bleigießen an Silvester: 
„Wenn Sie um Mitternacht in bester Stimmung die Sektpfropfen knallen lassen, so ist dies eine ausgesprochen angenehme Art, das neue Jahr einzuschießen. Gleich darauf werden die Bleistückchen in einem Blechlöffel über einer Kerze erwärmt und die flüssige Masse in eine mit kaltem Wasser gefüllte Schüssel gegossen. Um Betriebsunfälle durch herumspritzendes heißes Blei zu vermeiden, bedecken Sie die Wasserschüssel in dem Augenblick, da das Blei hineingegossen wird, mit einem feuchten Handtuch. Das Deuten des Schicksals aus den zerkrümelten oder plattgedrückten Bleiformen lässt der Phantasie freien Lauf. Was der eine als einen Dampfer ansieht, der eine Überseereise verspricht, wird von dem anderen als ein Dackel gedeutet mit dem Hinweis ‚Vorsicht, sonst kommst du auf den Hund’“.

Text:
Die vollständige Fassung dieses Textes erschien als:
Susanne Breuss: Das Deuten des Schicksals aus Bleiformen (= Fotoglosse schwarz & weiß). In: Wiener Zeitung Extra, 30. Dezember 2005, S. 2.


Donnerstag, 27. Dezember 2012

FOTOSACHE NR. 3: Schneeballschlacht


© Archiv Susanne Breuss


„Was für ein bildsames Material ist doch der Schnee! Er ballt sich zu Geschossen, er dient dem künstlerischen Treiben der lustigen Jugend, wird Hügel und Festung, Thor und Haus.“
Szenen wie jene auf dieser Fotografie hatte Michael Haberlandt, einer der Gründer des Österreichischen Museums für Volkskunde wohl vor Augen, als er in einem 1900 erschienenen Aufsatz über Freud und Leid des Schnees nachdachte. 
Gar so jugendlich ist diese Partie zwar nicht mehr, lustig und ausgelassen wirkt sie aber allemal – eine wohl unvermeidliche Begleiterscheinung, wenn man aus dem „bildsamen“ Schnee Geschosse formt und sich gegenseitig damit bewirft, egal in welchem Lebensalter man sich gerade befindet.
Vielleicht spielt auch der Zeitpunkt der Aufnahme – Jänner 1940 – eine Rolle: Da es für die Abgebildeten angesichts des wenige Monate zuvor ausgebrochenen Krieges vermutlich nicht allzu viel Anlass zu Übermut gab, war so eine harmlose Schneeballschlacht mitten in der Stadt sicher eine willkommene Gelegenheit, sich trotz der damals herrschenden eisigen Temperaturen für einen Moment unbeschwert am Leben zu erfreuen.

Text:
Die vollständige Fassung dieses Textes erschien als:
Susanne Breuss: Welch bildsames Material! (= Fotoglosse schwarz & weiß). In: Wiener Zeitung Extra, 22./23. Dezember 2012, S. 43.
 

Donnerstag, 20. Dezember 2012

ANSICHTSSACHE NR. 6: Rock Christmas

Foto: Christa Knott © Österreichisches Museum für Volkskunde


Das Österreichische Museum für Volkskunde zeigt derzeit die Sonderausstellung „Weihnachten – noch Fragen?“ (bis 3. Februar 2013).
Infos hier

Kathrin Pallestrang, eine der drei Kuratorinnen der Ausstellung, hat für diesen Blog ein Exponat ausgewählt, das sehr typisch ist für die Weihnachtskultur der letzten Jahrzehnte: Eine Musik-CD von Polystar aus dem Jahr 2000 mit dem Titel „The Very Best of Rock Christmas“.
Hier schildert sie die Bedeutung und historische Entwicklung von Weihnachtsliedern:

„Wichtig für die Wertschätzung einzelner Weihnachtslieder sind Erinnerungen – meist aus der Kindheit. Bei den jüngeren Generationen sind es häufig die Weihnachtsliedklassiker aus Rock und Pop, die als typisch weihnachtlich empfunden werden. 1984 kamen gleich zwei Weihnachtslieder erstmals in die Charts, die das Weihnachtsgefühl der damaligen Teenager prägten: Band Aid mit ‚Do they know it’s Christmas Time’ und Wham! mit ‚Last Christmas’.
Die ersten Weihnachtslieder, die gesungen wurden, waren allerdings lateinische Hymnen, die das Weihnachtsevangelium zum Inhalt hatten und sich Gottes Herrlichkeit und dem Erlösergedanken widmeten. So wie sich das Weihnachtsfest von einem kirchlichen zu einem familiären und schließlich zu einem säkularen öffentlichen Fest wandelte, so wurden die Weihnachtslieder den Veränderungen angepasst.
Ausgehend von Klöstern entwickelte sich bereits im Mittelalter das „Kindlwiegen“ in den Kirchen mit einem lieblichen Liedtypus, der sich dem Kind in der Krippe widmete. Ab dem 16. Jahrhundert entstanden häufig im Dialekt gesungene Hirtenlieder und Weisen für verschiedene Umzugsbräuche. Im 19. Jahrhundert dominierte die Hausmusik mit Liedern, die vom Feiern und der Festgestaltung handeln. Tonträger, Radio und Fernsehen prägten, ebenso wie englischsprachige Weihnachtslieder das 20. Jahrhundert. In unserer pluralistischen Gesellschaft lässt es sich aus einem vielfältigen Angebot je nach individuellem Bedürfnis wählen.“

Katalog zur Ausstellung:
Nora Witzmann/Dagmar Butterweck/Kathrin Pallestrang: Weihnachten - noch Fragen? (= Kataloge des Österreichischen Museums für Volkskunde, Band 97). Wien 2012 (Österreichisches Museum für Volkskunde, 63 Seiten, 19 Euro).

Link:
Kathrin Pallestrang auf der Website des Österreichischen Museums für Volkskunde

FUNDSACHE NR. 3: Weihnachtliche Lichtobjekte




© Fotos: Stefan Schlögl/derStandard.at

Eine Fotoserie von Stefan Schlögl für derStandard.at, aufgenommen im niederösterreichischen Biedermannsdorf: Weihnachtliche Lichtobjekte im öffentlichen und halböffentlichen Raum - Lichterketten, Sterne, Schneemänner, Rentiere mit und ohne Schlitten, Weihnachtsmänner und Weihnachtsbäume, aber offensichtlich kein einziges Christkind.
8 Millionen Euro investieren in Österreich Kommunen und Private jährlich in den weihnachtlichen Lichterschmuck.


Dienstag, 18. Dezember 2012

HÖRSACHE NR. 7: Volksempfänger



Volksempfänger
© Technisches Museum Wien


Seit September 2012 sendet Ö1 im Rahmen von Leporello die von Wolfgang Popp in Zusammenarbeit mit dem Wien Museum und dem Technischen Museum Wien gestaltete Jahres-Serie „Zum Greifen nah. Gegenstände erzählen Geschichte“, in der ausgewählte Alltagsdinge aus den Sammlungen der beiden Museen porträtiert werden. 
Am 17. Dezember 2012 begab sich die Sendung in das Jahr 1938 und beschäftigte sich mit einem medien- und zeithistorisch berühmt gewordenen dunkelbraunen Bakelitkasten: Dem von den Nationalsozialisten ab 1933 massenhaft produzierten „Volksempfänger“, der 1938 in einem nochmals um die Hälfte billigeren Nachfolgemodell, dem „Deutschen Kleinempfänger“, auf den Markt kam und von dem nach dem „Anschluss“ allein in Wien 20.000 Stück verteilt wurden (Interview mit Wolfgang Pensold). 

Links:

Sonntag, 16. Dezember 2012

FOTOSACHE NR. 2: Schmeckender Wurm-Hof


© Archiv Susanne Breuss

Ein schmaler, von Geschäftsportalen und Auslagen gesäumter Durchgang, in den gleißendes Sonnenlicht fällt, ohne ihn vollständig dem Schatten zu entreißen: Schauplatz dieser Aufnahme aus der Zeit um 1960 ist die Wiener Innenstadt. Es handelt sich um den so genannten Schmeckenden Wurm-Hof, ein Durchhaus zwischen Lugeck und Wollzeile.
Der rätselhafte Name geht auf eine alte Sage zurück, nach der einst im Keller des ursprünglich hier stehenden Gebäudes ein lindwurmartiges Ungeheuer entdeckt worden sein soll, das einen bestialischen Gestank verströmte. Von da an wurde das Haus Schmeckender Wurm-Hof genannt – dem damaligen Sprachgebrauch entsprechend war mit „Schmecken“ Riechen, in diesem Fall also Stinken gemeint.

Text:
Die vollständige Fassung dieses Textes erschien als:
Susanne Breuss: Wo der Lindwurm hauste (= Fotoglosse schwarz & weiß). In: Wiener Zeitung Extra, 15./16. Dezember 2012, S. 43.

Link:

FORSCHUNGSSACHE NR. 2: Abfall


Im September 2012 fand in Mainz (D) der 49. Deutsche Historikertag statt, darunter auch eine Sektion zum Thema "Zwischen Knappheit und Überfluss: Abfall als Problem und Ressource in der Geschichte". In den Vorträgen wurden auch alltagshistorische Perspektiven berücksichtigt.


Aus dem Tagungsbericht von Julia Schnaus:
"Abfall entsteht in jeder Gesellschaft durch Produktion und Konsumtion, im Laufe der Zeit hat sich der Umgang damit jedoch stark gewandelt. Ob der Abfall eher als nutzbare Ressource oder unerwünschtes Material angesehen wird, hängt mit der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Situation eines Landes zusammen. Aus diesen Aspekten folgt, dass eine multidimensionale Betrachtung des Themas „Abfall“ sinnvoll ist, um verschiedene Facetten des Begriffes beleuchten zu können."

FORSCHUNGSSACHE NR. 1: Geldautomaten und andere Materialisierungen des Ökonomischen


Im September 2012  fand am Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie an der Universität Hamburg (D) eine von Sonja Windmüller und Inga Klein organisierte Tagung zum Thema "Kultur der Ökonomie. Materialisierungen und Performanzen des Wirtschaftlichen in kulturwissenschaftlicher Perspektive" statt.
"Die Tagung nahm die Schnittstelle von Kultur und Wirtschaft interdisziplinär in den Blick und versammelte unterschiedliche Ansätze ökonomischer Forschungsrichtungen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie das weithin unangetastete Primat der Ökonomie in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie Politik, Öffentlichkeit und im kulturellen Alltag verhandelt wird. Die Referierenden beleuchteten dabei die Kultur- und Ideengeschichten ökonomischer Konzepte, die mediale Kommunikation des Ökonomischen sowie gescheiterte Theorien als kultur- und epochenspezifische Aussagen über Topoi, Themen und Figuren in Wirtschaftsdiskursen. Dabei galt die Historizität (aktueller) ökonomischer Diskurse als zentrale epistemische Kategorie." 
Tagungsbericht von Silke Meyer und Barbara Lemberger

Neben Vorträgen über Geld, Sprachbilder, Verschuldung und anderes mehr gab es u. a. eine Posterpräsentation zum Thema "Bares auf Knopfdruck. Kulturanalytische Perspektiven auf den Geldautomaten".  
 

Samstag, 15. Dezember 2012

DRUCKSACHE NR. 7: Mario Wimmer - Archivkörper



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Mario Wimmer: Archivkörper. Eine Geschichte historischer Einbildungskraft. Konstanz 2012 (Konstanz University Press, 335 Seiten, 34,90,- Euro)

In dem Band geht es um die Materialität des Archivs und um die Objektverhältnisse der Geschichtswissenschaft. Als Aufhänger dient ein historischer Kriminalfall rund um einen sammelwütigen Privatgelehrten mit nekrophilen Leidenschaften und Handschriftenfetischismus, zu dessen Diebstahls-Opfern u. a. das Österreichische Staatsarchiv zählte.  
Projektinfos hier 

Rezension von Achim Landwehr 
 

DRUCKSACHE NR. 6: Die materiellen Seiten der Stadt


Dorothee Brantz/Sasha Disko/Georg Wagner-Kyora (Hg.): Thick Space. Approaches to Metropolitanism (= Urban Studies). Bielefeld 2012 (Transcript Verlag, 383 S., 32,80,- Euro)

Der Band enthält unter anderem ein Kapitel zu den materiellen Aspekten der Stadt, in welchem es vorrangig um technische Infrastrukturen geht.
Rezension des Bandes (inkl. Inhaltsverzeichnis) von Walter Siebel hier


Mittwoch, 12. Dezember 2012

DRUCKSACHE NR. 5: Ursula Böhmer fotografiert Kühe



© Ursula Böhmer/ Kehrer Verlag



Kühe sind heute in den Industrieländern aus dem Blickfeld der meisten Menschen weitgehend verschwunden, doch die Dinge, die aus ihnen hergestellt werden, prägen unseren Alltag nach wie vor in einem sehr hohen Ausmaß und werden Tag für Tag in riesigen Mengen konsumiert.  
Ein sehr verdienstvoller Beitrag zur Sichtbarmachung dieser Tiere ist die Arbeit der deutschen Fotografin Ursula Böhmer: Sie hat mehr als ein Jahrzehnt lang europäische Kühe porträtiert und präsentiert nun eine Auswahl in einem wunderbaren Bildband. 

Ursula Böhmer: All Ladies. Kühe in Europa / Cows in Europe. Texte von Gabriele Conrath-Scholl und Hans-Hinrich Sambraus. Heidelberg 2012 (Kehrer Verlag, 39,90,- Euro).

Infos hier
Fotostrecke auf Zeit Online

Montag, 10. Dezember 2012

TERMINSACHE NR. 6: Buchpräsentation - "Wie kommen die Dinge in den Text?"


© Österreichisches Museum für Volkskunde



Dieser etwas ratlos dreinblickende Herr ist ein irdener Weinkrug aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und stammt aus Südtirol. Seinen Hauptwohnsitz hat er mittlerweile im Gartenpalais Schönborn in der Wiener Laudongasse, genauer gesagt im Österreichischen Museum für Volkskunde.
Zu sehen ist er dort derzeit in der Ausstellung "Mikrofotografisches Bibelstechen. Eine Ausstellung als Einblick und Kommentar". 

Am Dienstag, den 11. Dezember 2012, um 19 Uhr findet ebendort die Präsentation der Begleitpublikation (hochroth Verlag) zur Ausstellung statt.  
Infos hier

Aus dem Ankündigungstext:
"Helmut Neundlinger, Autor und Journalist, wird im Gespräch mit Herbert Justnik und Matthias Klos die Texte, die im Rahmen der Ausstellung „Mikrofotografisches Bibelstechen" geschrieben wurden, vorstellen. Dabei wird es um die unterschiedlichen Assoziationsstrukturen in den Texten und die Figuren der Objektverarbeitung gehen. Daran angeknüpft werden Fragen nach möglichen Verwendungsprogrammen von Objekten, verschiedenen Arten des Umgangs und der Verlebendigung von Dingen. Dinge werden hier nicht funktional sondern als Prozesse aufgefasst."

TERMINSACHE NR. 5: "Architektur - Gedächtnis" (Simon Wiesenthal Lecture - Alexandra Klei)


Vortrag:
Alexandra Klei: Architektur - Gedächtnis. Die Bedeutung des historischen Ortes für die Gestaltung von Erinnerung in KZ-Gedenkstätten (Simon Wiesenthal Lecture)
Donnerstag, 13. Dezember 2012, 18.30 Uhr 
Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs
1010 Wien, Minoritenplatz 1

Aus dem Ankündigungstext: 
"Seit Mitte der 1990er-Jahre wurden die KZ-Gedenkstätten umfassend neu gestaltet. Neben der Überarbeitung von Ausstellungsinhalten bedeutete dies vor allem die umfassende Bezugnahme auf die bauliche Struktur des Konzentrationslagers in der Präsentation. Der konkrete Ort und seine Architektur bilden die Grundlage, von den Ereignissen im Gelände selbst zu erzählen: Neben Sanierung und umfangreicher Nutzung erhaltener Bausubstanz bedeutet dies die gestalterische Nachzeichnung der Grundflächen nicht mehr vorhandener Bauten, die Freilegung erhaltener Mauerreste, die Verknüpfung von Standorten mit schriftlichen Informationen und historischen (Gebäude-)Fotografien. Die Bedeutung der ehemaligen Lager als Gedenkorte wurde um die Funktion des Lernortes erweitert. Das Gedächtnis des Ortes sind nicht nur die Diskussionen und Entwicklungen, die zur Einrichtung eines Gedenkortes geführt haben, sondern auch durch Gestaltungsmittel eingelagerte Informationen. In der Auseinandersetzung mit den Inhalten werden die Schwerpunkte aktueller Strategien der Erinnerung ebenso sichtbar wie die Diskrepanz, die zwischen dem historischen Geschehen und seiner Präsentation bestehen."

Sonntag, 9. Dezember 2012

FUNDSACHE NR. 2: Mister Robott, der künstliche Mensch, besucht Wien


Mister Robott, 1929


Im Sommer 1929 kündigten die Zeitungen für die nächste Saison einen sensationellen Besuch an: „Mister Robott“, der künstliche Mensch, reiste durch Europa und versprach, bald auch in Wien seine Aufwartung zu machen.
Mister Robott war die Erfindung eines englischen Ingenieurs, und er konnte nicht nur stehen, gehen und Handreichungen ausführen, sondern sogar sprechen (und zwar in verschiedenen Sprachen, je nachdem, welche Walze ihm einverleibt wurde). 
Er bestand, wie die Medien fasziniert berichteten, aus „toten Maschinenteilen“, aus gewöhnlichen Schrauben, Platten, Ringen, Ketten, Spulen und anderem „leblosen Material“. Dennoch besaß der „Repräsentant des modernen Zeitalters der Technik“ auch eine „Seele“, wie er treuherzig betonte. Dabei handelte es sich um einen „komplizierten Apparat“, der auf Schallwellen von bestimmter Stärke reagierte und der ihn jene Bewegungen ausführen ließ, die das staunende Publikum bewunderte.  

TERMINSACHE NR. 4: Ausstellungseröffnung - "Roboter. Maschine und Mensch?"







1929 sorgte ein einzelner Mister Robott in Wien für Aufsehen, viele Jahrzehnte später wird eine ganze Heerschar an Robotern erwartet: Am 13. Dezember 2012 eröffnet im Technischen Museum Wien eine Ausstellung zum Thema „Roboter. Maschine und Mensch?“ Sie geht auf mehr als 1.000 m² Ausstellungsfläche nicht nur der Geschichte und den technischen Grundlagen der Roboter nach, sondern fragt auch nach ihren Bedeutungen und Einsatzorten im Alltagsleben und in der Forschung der Gegenwart.

JOBSACHE Nr. 1: Textilien, Konsum und materielle Kultur


2 Wiss. Mitarb. Projekt "Textilien und materielle Kultur im Wandel: 
Konsum, kulturelle Innovation und globale Interaktion" (Univ. Bern, CH)

Infos hier

TERMINSACHE NR. 3: Tagung "Traveling Fashion"


Im Wella-Museum in Darmstadt (D) findet von 23. bis 24. Jänner 2013 eine internationale Tagung zum Thema "Traveling Fashion. Styles, Diversity, Globalization" statt.

Aus dem Ankündigungstext:
"Globalisierung der Mode wird oft als ein vereinheitlichender Vorgang verstanden – als gingen die gegenwärtigen Modeströmungen erdumspannend in die gleichen Richtungen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass die angeblich weltweiten Trends zahlreichen Brechungen unterliegen: Die scheinbar identischen Modezeichen, -objekte und Frisuren lösen sich in eine Vielzahl unterschiedlicher, vom jeweiligen kulturhistorischen Kontext abhängiger Phänomene auf.
Der Begriff Traveling Fashion schließt an James Cliffords Ansatz der „Traveling Cultures“ an und stellt Mode in den Kontext von Mobilität und Prozesshaftigkeit kultureller Praktiken. Fixierungen von Kultur, etwa mit ethnischen Zuschreibungen, geraten in Bewegung und verschwimmen. Das Thema der Tagung sind die Ent- und Neukontextualisierungen, die aus der transkulturellen Zirkulation von Moden entstehen.
Ausdrücklich werden nicht kostümgeschichtliche Entwicklungen aufgezeigt, sondern der Modebegriff selbst soll hinterfragt werden. In Europa konzentriert sich alles in dieser global agierenden Branche auf das Spektakel rund um die Haute Couture, sei es durch Abgrenzung oder Affirmation. Nicht selten werden für diese Inszenierungen konventionelle Ethnisierungen und geschlechtsspezifische Stereotypisierungen aufgerufen. Wird Mode hingegen als ein Konzept betrachtet, das Körper, Kleidung und Raum zusammendenkt, rücken politische und wirtschaftliche Dimensionen wie etwa Kolonisierungs- und Globalisierungsprozesse in den Blick. Unterschiedliche transkulturelle Austauschprozesse und Entwicklungen lassen sich so differenzierter beschreiben.
Damit eröffnen sich neue Perspektiven nicht zuletzt auf Modeformen jenseits der Haute Couture. Eine große Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Sichtbarkeit durch Social Media, Printmedien und Fashion-Blogs. Nicht zuletzt die Regulierung von Aufmerksamkeitskanälen stellt einen zentralen Machtmechanismus dar."

Infos + Programm hier