"Wir wurzeln alle im Alltage.
Seine Gewohnheiten machen für die
meisten schlechthin das Leben aus.
In diesem Alltag, den bloss der unbesonnene
Élegant des Geistes bespöttelt, liegt etwas
sehr Grosses ... liegt unsere Cultur."
Michael Haberlandt: Cultur im Alltag. Wien 1900.



Mittwoch, 6. Februar 2013

HÖRSACHE NR. 11: Eine Dose Frühstückskakao


Kakaodose
© Wien Museum



Seit September 2012 sendet Ö1 im Rahmen von Leporello die von Wolfgang Popp in Zusammenarbeit mit dem Wien Museum und dem Technischen Museum Wien gestaltete Jahres-Serie „Zum Greifen nah. Gegenstände erzählen Geschichte“, in der ausgewählte Alltagsdinge aus den Sammlungen der beiden Museen porträtiert werden. 

Am 4. Februar 2013 begab sich die Sendung in das Jahr 1947 und beschäftigte sich mit einer Dose Frühstückskakao (Interview mit Gerhard Milchram). Ein unscheinbares kleines Objekt, das davon erzählt, dass der Krieg zwar vorbei war, aber das Geschehene weder vorbei noch bewältigt. Die Aufschriften "DP" und "A Gift from American Jews" verweisen auf weit mehr als die schwierige Ernährungssituation dieser Jahre: Der Kakao zählte zu jenen Spenden, die DP's (= Displaced Persons), also Kriegsflüchtlinge, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Juden (vor allem Überlebende aus den Konzentrationslagern) erhielten. In Österreich gab es zahlreiche DP-Lager, das größte für jüdische DP's befand sich im Wiener Rothschildspital am Währinger Gürtel. In der Sendung ist auch eine Zeitzeugin zu hören, deren Erinnerungen ein Bild jener Gleichgültigkeit vermitteln, die den jüdischen Überlebenden damals vielfach entgegen schlug - symptomatisch für die mangelnde Auseinandersetzung mit dem Holocaust und für den Nachkriegsantisemitismus.   

 

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